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Autochthone Weinsorten: Seltener aber faszinierender Wein-Genuss

Autochthone Weinsorten: Seltener aber faszinierender Wein-Genuss

Rund 200 verschiedene Rebsorten werden in der Schweiz angebaut. Darunter auch immer öfters autochthone Sorten, also Weintrauben, die meist eine jahrhundertealte Tradition in der Schweiz haben. Diese gingen zwischenzeitlich fast vergessen. Erst in den letzten Jahren finden sie als Nischenprodukt mit Geschichte wieder vermehrt Beachtung.

Welche Weintrauben werden in der Schweiz angebaut? Vielen kommt hier wahrscheinlich zuerst der Pinot Noir beziehungsweise Blauburgunder in den Sinn. Mit 4’216 Hektaren Anbaufläche ist er der mit Abstand am häufigsten angebaute Schweizer Rotwein. Oder der Chasselas beziehungsweise Fendant, der mit 3’885 Hektaren bei den Weissweinen am beliebtesten ist. Weitere häufige Rebsorten sind etwa Gamay oder Merlot bei den Rotweinen oder Müller-Thurgau (Riesling-Silvaner) und Chardonnay bei den Weiss­weinen.

Nebst diesen grossen Weinsorten, die viele zwar teilweise schon seit Jahrzehnten in der Schweiz wachsen, ihre Wurzeln aber in anderen Ländern haben, finden sich auf den insgesamt rund 14’800 Hektaren Schweizer Rebfläche auch immer öfters autochthone Schweizer Rebsorten. „Rebsorten, die schon vor 400 oder 500 Jahren in der Schweiz angebaut wurden“, erklärt Markus Hardegger von der Fachstelle Weinbau des Landwirtschaftlichen Zentrums St. Gallen in Salez.

Wallis mit Vorreiterrolle

Eine Vorreiterrolle in Sachen autochthonen Weinen nimmt der Kanton Wallis ein, der grösste Weinanbaukanton der Schweiz. Heimische Sorten wie Petite Arvine, Amigne, Cornalin oder Humagne Rouge gehören hier bereits seit einiger Zeit zu beliebten Traubensorten. „Abgesehen vom Wallis steht man bezüglich der heimischen Rebsorten in der Schweiz aber noch in den Anfängen“, gibt Hardegger zu. Erst in den letzten Jahren fanden diese wieder vermehrt Beachtung, auch beim Bund selbst. „Seit der UN Biodiversitätskonferenz 1992 in Rio de Janeiro, bei der auch die Schweiz eine Biodiversitäts-Konvention unterschrieben hat, kümmern sich verschiedene Stellen hierzulande – unterstützt durch den Bund – um den Erhalt alter Kulturpflanzen wie Mais, Kartoffeln oder eben Rebstöcke“, erklärt Markus Hardegger, der selbst während zehn Jahren eine entsprechende Arbeitsgruppe leitete und sich um die Erforschung alter Schweizer Traubensorten kümmerte.

„Vor 30 Jahren waren in der Deutschschweiz erst sechs bis acht Traubensorten beschrieben, im Wallis rund 15. Bis heute konnte man dank dieser Arbeit wieder 140 Sorten dokumentieren, die wir auch in unserem Sortengarten in Salez haben.“ Aber wieso dieser Aufwand? Zum einen ganz einfach aus Gründen der Biodiversität und Nachhaltigkeit. „Alte Rebsorten lassen sich nur am lebenden Objekt zum Beispiel in einem Rebberg erhalten, nicht aber in irgendeiner Tiefkühl­truhe“, erklärt Markus Hardegger. Und immerhin ginge es hier darum, einen genetischen Pool auch für die Nachwelt zu erhalten. Andererseits sieht Markus Hardegger aber auch für die heutigen Weine ein riesiges genetisches Potential, das neue Möglichkeiten eröffne.

Hoher Säuregehalt

Nebst politischen Entscheiden sei einer der Gründe, wieso viele der autochthonen Weinsorten fast in Vergessenheit gerieten, ihr teilweise sehr hoher Säuregehalt. „Viele Traubensorten wurden hierzulande um das Jahr 1’000 eingeführt. Damals gab es aber das Problem, dass Jungweine kaum lagerfähig waren. Je mehr Säure sie jedoch enthielten, desto länger hielten sie, weshalb man die säurehaltigen Sorten bevorzugte.“ Heute stösst ein solch hoher Säuregehalt bei der grossen Masse der Konsumenten auf wenig Begeisterung. Deshalb brauche es etwas Experimentierfreude eines Winzers, um das Beste aus einer alten Sorte herauszuholen. Dies können beispielsweise Kreuzungen mit anderen Traubensorten sein. „Autochthone Sorten sind oft sehr ertragsreich und robust, weshalb sie nicht selten in Neuzüchtungen verwendet werden.“ Anderen Winzern ist es aber auch gelungen, die Ursprungssorte selbst weiter zu entwickeln und so wahre Trouvaillen der Schweizer Weinwelt zu schaffen, auch ausserhalb des Wallis.

Durch Selektion Säure reduziert

Ein Beispiel, wie eine solche Weiterentwicklung funktionieren kann, zeigt sich bei der Traubensorte Completer, die hauptsächlich im Bündnerischen Malans angebaut wird und hier bereits im Jahr 1321 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Mitte des 20. Jahrhunderts war sie fast ausgestorben, unter anderem auch wegen ihrer ausgeprägten Säure. Durch die richtige Selektion der alten Stöcke zur Nachzucht, konnte die Säure in den letzten Jahren jedoch reduziert werden. Heute wird Completer bereits wieder auf 4,8 Hektaren angebaut und unter anderem ein Dessertwein mit Aromen, oft Quitten oder Orangenblüten, gekeltert. Aber auch als „normaler“ Weisswein macht er eine gute Figur. Ein weiteres Erfolgsbeispiel ist die Rebsorte Räuschling, eine alte Weissweinsorte, die inzwischen wieder auf rund 22 Hektaren angebaut wird, unter anderem vom Weingut „Weinbau Schwarzenbach“ in Meilen als Hommage an den Zürichsee. Oder Elbling, ebenfalls eine Weissweinsorte, die im Rheintal und neu auch am Bodensee wieder angebaut wird (schweizweit nur rund 0,7 Hektaren).

Trotz all dieser Erfolgsbeispiele betont Markus ­Hardegger, dass vor allem in der Deutschschweiz die autochthonen Weine ein Nischenprodukt seien. Jedoch ein Nischenprodukt, das durchaus seine Berechtigung hat. So bieten die autochthonen Weine eine Möglichkeit, sich bewusst von der Konkurrenz – auch der ausländischen – abzuheben und auf jahrhundertealte Schweizer Tradition zu setzen. Ein Trend, der anzukommen scheint, suchen doch immer mehr Konsumenten das Aussergewöhnliche und Heimatverbundene. Dass Geniesser damit nicht nur ihr eigenes Wohlbefinden fördern, sondern auch gleich die Biodiversität und Vielfalt der Schweizer Weinwelt, ist ein durchaus begrüssenswerter Nebeneffekt.

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