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Der Schweiz geht der Schnaps aus!

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Schnee, Bise und Frost im April haben den Obstkulturen in der Schweiz massiv zugesetzt. Dies hat fatale Folgen für die Schweizer Tafelobstproduktion. Besonders hart betroffen sind die Schweizer Brennereien. Ihnen fehlen die brennbaren Rohstoffe. Es wird befürchtet, dass der Schweiz der Schnaps ausgeht.

Das „Kaffee fertig“ zum Après-Ski, die Zuger Kirschtorte, das Canärli für einen wohligen Schlaf oder das Apricotine als Absackerli nach dem Essen. Diese Vergnügen dürften im laufenden Jahr zunehmend seltener werden. Die Schweizer Brenner rechnen mit einem veritablen Notstand. Der Frost im April hat den Obst-Kulturen massiv zugesetzt. Besonders betroffen sind die Kirschen, die Zwetschgen und Aprikosen. Experten gehen von Ernteausfällen bei den Kirschen von fast 80 Prozent aus, bei den Zwetschgen von ca. 70 Prozent und bei den Aprikosen von gut 50 Prozent. Etwas weniger betroffen vom Frost sind die Äpfel und Birnen. Von den Erntemengen dürfte nur ein Bruchteil im Fass landen. Denn die bereits knapp verfügbaren Früchte werden vorerst als Tafelobst verkauft. Nur was übrig bleibt kommt üblicherweise ins Fass.

Schlechte Ernten in den Vorjahren

Das hat dramatische Folgen. Bereits in den letzten zwei Jahren wurden sehr schlechte Produktionsmengen verzeichnet. Im Brennjahr 2015/2016 belief sich gemäss der Auswertung der Eidgenössischen Alkoholverwaltung die Schweizerische Produktion inländischer Spirituosen auf 12’106 Hektoliter reinen Alkohols (HlrA). Dies entspricht einem Rückgang von 26 Prozent gegenüber dem vorherigen Brennjahr (16’360 HlrA). Für das Brennjahr 2016/17 liegen noch keine offiziellen Zahlen vor. Fast alle Brenner bestätigen aber, dass es in diesem Brennjahr schwierig war, die gewünschten Rohstoffmengen zu erhalten. Mit dem nun zu erwarteten Einbruch droht nun ein Desaster. Bereits jetzt schon bemühen sich die Brennereien verzweifelt, an das nötige Brennmaterial heranzukommen und versuchen, bei bekannten Obstbauern die Mengen für sich zu reservieren.

Der Baselbieter Hans-Ruedi Wirz weiss, wovon er spricht. Er ist Brenner und verfügt gleichzeitig über einen grösseren Obstbaubetrieb. Bei seinem Betrieb kann er die Schäden gut abschätzen. „Die Nervosität ist auch bei den Kunden spürbar. Schon wenige Tage nach den Frostnächten erhielt ich Anrufe von Kunden aus der Gastronomie oder Lebensmittelindustrie, die sich Sorge machten.“ Besonders dramatisch wird es beim Kirsch. Wirz bestätigt, dass er noch einige hundert Flaschen aus besseren Zeiten im Lager hat, ob diese bei der erneuten Knappheit ausreichen, ist aber alles anders als sicher.

Eine Schweizer Kultur droht zu verschwinden

Die Versorgungsknappheit trifft die Schweizer Brennereien äusserst hart, denn die Branche kämpft seit längerer Zeit ums Überleben. Die Marktliberalisierung Ende der 90-er Jahr, die harte Konkurrenz aus dem Ausland und die veränderten Konsumgewohnheiten der Schweizerinnen und Schweizer machen den Schweizer Produzenten das Leben schwer. Immer mehr Brennereien schliessen ihre Türe für immer. Augustin Mettler ist Präsident des Fachbereichs Brennerei beim Schweizer Obstverband und vertritt als Branchenverband einen Grossteil der verbliebenen Schweizer Brennereien. Er zeigt sich besorgt. „Die Frostkatastrophe ist ein weiterer herber Schlag für unsere Brennereien. Viele Betriebe sind in ihrer Existenz bedroht“. Laut Mettler verschwindet mit der Schliessung einer Brennerei ein Stück Schweizer Kulturgut. Es dürfe nicht vergessen werden, dass die Schweiz bis anhin eine äusserste interessante Brennerkultur mit vielseitigen Produkten kennt. Es wäre bedauerlich, wenn es dieses Kulturgut aus der Schweiz nicht mehr gäbe.

Import von Rohstoffen ist keine Lösung

Um die kurzfristige Knappheit zu überbrücken gäbe es grundsätzlich die Möglichkeit, ausnahmsweise Rohmaterialien aus dem Ausland zu importieren. Dies ist aber keine Lösung, denn die hiesigen Brenner sind sehr stolz auf ihre Schweizer Produkte. Zudem ist bekanntlich die Mehrzahl der Europäischen Obstregionen vom Frost ebenso betroffen. In ganz Europa ist Obst Mangelware.

Quelle: Schweizer Obstverband (SOV)

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