Villiger Celebration

Wie trinkt man Whisky richtig? – Falsch!

Wie trinkt man Whisky richtig? – Falsch!

Darf oder soll man Whisky mit Wasser mischen? Oder wie steht es mit den berühmt-berüchtigten Eiswürfeln im Whiskyglas? Fragen, die sich vor allem Whiskyneulinge immer wieder stellen. Whiskykenner hingegen wissen genau, wie man Whisky trinkt und sind sich untereinander natürlich auch nicht einig. Jemand hat es mal auf den Punkt gebracht und gesagt: „Trink den Whisky so, dass er dir schmeckt“. Unser Autor Marcel Telser hat sich zu diesem abendfüllenden Thema bei einem Glas Whisky seine eigenen Gedanken gemacht

Wenn man nur auf die gralsmässigen Whiskytrinker hören würde, dann wäre dieser Artikel schnell geschrieben. Klar doch, pur natürlich. Und wenn möglich in Fassstärke – ohne Zugabe von Wasser. Wasser? Wozu denn? Das verwässert doch nur das Aroma und ist womöglich sogar noch belastet mit Pestiziden und weiblichen Hormonen, die Brüste wachsen lassen. Eis? Nein, keinesfalls. Einen Scotch zumindest geniesst man in unseren Breitengraden nicht mit Eis. Niemals! Zumindest bis jetzt, denn nun gibt es den Highland Park Ice Edition, zu Promotionszwecken inklusive Eiskübel. Aber ein Single Malt Whisky als Longdrink mit Ginger Beer, Grüntee oder Cola? Nach wie vor ein Verbrechen. Schade um den guten, teuren Whisky. Also: Der wohlerzogene Whiskytrinker trinkt seinen Whisky stets pur, auch wenn er in Fassstärke abgefüllt ist. «Cask Strenght» tönt ja zudem ungeheuer beindruckend und rein der Ausspruch hebt einen in die Profiliga der Whiskytrinker. Und nach dem strebt so mancher.

Enge Grenzen

Der Genuss von Whisky ist eine sehr individuelle Angelegenheit. Jeder von uns hat einen anderen Gaumen und eine andere Nase. Und seine Vorlieben und Abneigungen. Das würde eigentlich bedeuten, dass jeder seinen Whisky auf seine bevorzugte Art geniesst. Tatsächlich aber wird der Individualität über ungeschriebene Regeln enge Grenzen gesetzt. Und zudem wissen nur die wenigsten, wie man starken Alkohol geniesst. Man hat es nie gelernt.

Es ist zunächst eine unbestrittene Tatsache, dass sich das Aroma eines Whiskies am besten bei Zimmertemperatur offenbart. Ist der Whisky zu kalt, kommt wenig in die Nase. Ist er zu warm, dann kommen sämtliche Fehler des Destillates verbunden mit spitzigen Holz- und Alkoholnoten in die Nase. Das ist hässlich, kann aber schon mal geschehen in den Sommermonaten. Mehr zum Genuss von Whisky bei heissen Temperaturen später.

Die Nase trinkt mit

Die Nase ist das wichtigste Organ zur Beurteilung der Sensorik. Die Nase trinkt mit. Hätten wir die Nase nur als „Brillenhalter“ im Gesicht und für nichts anderes, dann wären wir reduziert auf süss, sauer, bitter, salzig. Das reicht nicht für einen Genuss. Die Nase wird jedoch nicht in das Glas getaucht, es braucht einen kleinen Abstand der Nase von der Öffnung des Glases, wo sich das Aroma des Whiskies entfaltet. Ansonsten sind wir konfrontiert mit dem Alkohol, der uns den wichtigen Rest übertüncht. Aus diesem Grund sollte auch auf das gemeinbürgerliche Whiskyschwenken verzichtet werden. Das macht zwar einen professionellen Eindruck auf einen Laien, ist es aber nicht. Auch hier provoziere ich vor allem den Alkohol, der sich dann bemerkbar macht – und die feinen Düfte kommen nicht in 3D.

Viele gute Whiskies werden heute in Fassstärke in die Flasche gegeben. Fassstärke hat einen weiten Raum, von sagen wir mal 64% Vol. bis hin zu mikrigen 40% Vol., abhängig vom Alter und der konkreten Lagerung des Whiskies. Jedes Destillat – und Whisky gehört da auch dazu – ist ab 40% Vol. «stark». Wie gesagt, der Gaumen gewöhnt sich an vieles, aber es ist nicht gut, die ohnehin leicht irritierbaren Schleimhäute in sportlicher Manier auf Höchstleistungen trimmen zu wollen. Das funktioniert nicht. Man sollte deshalb darauf verzichten, Whisky gewohnheitsmässig pur in einer hohen Volumenkonzentration zu sich zu führen, denn die Sinne werden taub und ein feingliedriger Whisky bei niedrigeren Volumenprozenten schmeckt nie mehr. Die Gesundheitsversicherer übernehmen diese Teilinvalidität bis jetzt noch nicht mal in einer Zusatzversicherung.

Wasser erweckt Aromen zum Leben

Zur Bekämpfung dieses Übels gibt es Wasser. Ja, das langweilige Wasser. Dieses hat im Zusammenhang mit Whisky die Eigenschaft, dass nicht nur die Volumenprozent vermindert werden, sondern dass die Oberflächenspannung des Whiskies herabgesetzt und mehr Aromen zum Leben erweckt werden. Zugleich wird in der Regel auch mehr Süsse bemerkbar, was gefällig ist. Eine Spielerei: Uisge Source vertreibt «zu gutem Preis» 100ml-Flaschen von Wasser aus Speyside, den Highlands und natürlich Islay zur perfekten Abrundung der grossen Kunst des Verdünnens von Whisky. Einmal im Leben sollte man das mit diesen Wässerchen versucht haben – und dann weiss man was es bewirkt.

Kampfgezeichnete Veteranen

Womit wir nun endgültig beim Thema wären. Bei der Dosierung von Wasser scheiden sich einmal mehr die Geister. Doch relativ viele Whiskyinteressierte verwenden zur Milliliter-genauen Dosierung des Balastwassers eine Pipette. Und die ist aus Plastik. Hässlich dazu, aber mit schönen Erinnerungen an Mamas Tupperware-Parties. Eine andere Gattung besteht aus den kampfgezeichneten Veteranen, die einen Krug voll Wasser mit sicherem Griff nehmen und einen gekonnten Platscher davon ins Glas geben – und das ungefähr ziemlich genau richtig dosiert. Ein gemeistertes Manöver. Wer hat jemals in einem Schottischen Pub oder Club die Pipetten rumliegen sehen? Ich nicht, da stehen Krüge auf der Bar, gefüllt mit reinstem schottischen Wasser, welches von Scottish Water in guter Absicht mit edlem Chlor veredelt wurde. Da lasse ich aber lieber die Finger davon, denn das ist besonders eklig.

Eis gehört nicht in einen guten Whisky

«Eis geit no», heisst es in der Schweiz. Das aber hat zu fortgeschrittener Stunde meistens nichts mit Wasser zu tun. Eis gehört nicht in einen guten Whisky und schon gar nicht in einen Single Malt, das ist die Meinung vieler, das war so das erste was in der Whiskykarriere hängen geblieben ist. Und ein klein bisschen Extremismus schafft ja bekanntlich Gemeinschaft. Über Eis im Whisky mag man sich sicherlich streiten, ist es gerade im Sommer bei 30 Grad im Schatten schon eine erfrischende Alternative. Es ist allerdings eine deutlich andere Genussart des Whiskies. Dafür verwendet man natürlich nicht den fetten 1968er Macallan. Eis funktioniert sehr gut mit jungen Single Malts der Schotten, vielen Europäern und auch den Asiaten. Und die Blended Whiskies sind auf einmal doch überraschend frisch und angenehm. Hinweis: Die Grösse des Eises spielt eine ganz entscheidende Rolle. Die Brocken sollten gross sein und lediglich Kühlen, und nicht so schnell verlaufen, wie dies beim «Crushed Ice» schon nach 2 Minuten unweigerlich der Fall ist.

Wer nun einwendet, es gebe geschliffene Whisky Stones, also kalte Steine zur Kühlung des Whiskies, dem wünsche ich viel Spass damit. Diejenigen, die ich seinerzeit geschenkt bekommen habe dienen heute als Reparaturset für Schäden in meinem Kopfsteinpflaster vor dem Haus.

Whisky gemixt?

Schon lange wird Whisky mit Mixern getrunken. Warum sich das in der Vergangenheit eher auf Blended Whiskies bezogen hat, liegt auf der Hand: Der Preis. Die Gastronomen kalkulieren für sich immer mit einer beindruckenden Barmherzigkeit. Das heisst, wir kriegen die billigste Ware zum höchstmöglichen Preis. So war der Whisky Cola immer eine eher dürftige Tinktur, die unsereins nicht wirklich angesprochen hat. Im Gegenteil, für viele war der einmalig übermässige Genuss dann auch das Ende der Whisky-Karriere. Aber Cola ist ja der Fastfood-Drink schlechthin, da liegt nichts Magisches drin. Da ist es nur zu verständlich, dass wir derartiges ablehnen.

Wirklich tolle Drinks kann man jedoch ganz einfach zaubern mittels eines guten Ginger Beers oder Grüntee. Natürlich wird das dann gekühlt serviert und ist wirklich lecker. Das funktioniert auch mit höherwertigen Whiskies. Hierzu kann ich nur empfehlen, sich Dave Brooms kürzlich erschienenes Buch «Whisky Manual» zu konsultieren. Oder machen wir es uns ganz einfach, so wie das im asiatischen Raum Gang und Gäbe ist – einen Yamakazi 18 Soda, serviert mit viel Eis im Halbliterkrug, gebranded auf Suntory.

Wohl bekomms!

Interview mit Spirituosenexperte Jürgen Deibel: „Trend zu NAS-Whiskies ist richtig“

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About The Author

Marcel Telser

Marcel Telser ist der umtriebige Kopf hinter der Telser Distillery Ltd. in Triesen (Lie) und führt die Brennerei in der 4. Generation. Der studierte Jurist bildete sich beim Wine & Spirits Education Trust in London sowie beim Institute for Brewing and Distilling in Elgin, Schottland fort. Zudem ist Marcel Telser Mitglied der Vorarlberger Spirituosensommeliers, Juror bei der International Wine & Spirits Competition (IWSC) in London, Member of the Gin Guild (London) sowie Vorstandsmitglied der Distiswiss.

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