Die Gastro News aus der Schweiz zeichnen im August ein widersprüchliches Bild. Die Branche steckt in einer Zangenlage: rückläufige Auslandsnachfrage, anhaltende Konkurswelle, Fachkräftemangel. Und trotzdem wird investiert – in der Zürcher Altstadt ebenso wie in einem Walliser Bergdorf auf 1370 Metern. Der August zeigt eine Gastronomie, die nicht spart, sondern sich neu positioniert. Dazu ein neues Lebensmittelrecht, das seit dem 1. August gilt und den Alltag jedes Produzenten betrifft.

Food-Szene

Revidiertes Lebensmittelrecht seit dem 1. August in Kraft

Seit dem 1. August 2026 gelten in der Schweiz revidierte Bestimmungen im Lebensmittelrecht. Betroffen sind laut Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) drei Bereiche: die Rückstandshöchstgehalte von Pflanzenschutzmitteln auf Lebensmitteln, die Zulassungsbestimmungen für Zusatzstoffe und Aromen sowie die Vorgaben zur Desinfektion von Badewasser. Das BLV begründet die Revision mit der Stärkung des Gesundheits- und Täuschungsschutzes und der Angleichung an EU-Recht – dem Standardmuster der Schweizer Lebensmittelgesetzgebung, das den Handel mit dem wichtigsten Absatzmarkt praktikabel hält.

Für Produzenten und Gastronomie ist vor allem der zweite Punkt relevant: Wer Aromen oder Zusatzstoffe einsetzt, muss die aktualisierte Zulassungsliste prüfen. Die Einzelheiten hat das BLV in einem Faktenblatt vom 23. Juli 2026 dokumentiert. Wie viele Betriebe die Umstellung bereits vollzogen haben, ist offen – Erfahrungswerte aus früheren Revisionen deuten darauf hin, dass gerade kleinere Manufakturen erst über den Vollzug durch die kantonalen Labors darauf stossen.

Mehr dazu beim BLV

Swiss Cheese Awards kommen nach Fribourg

Die 14. Ausgabe der Swiss Cheese Awards findet vom 6. bis 11. Oktober 2026 in Fribourg statt. Erwartet werden rund 1000 Käse in 33 Kategorien, bewertet von etwa 200 Jurorinnen und Juroren aus dem In- und Ausland. Der Ablauf ist gestaffelt: Am 6. Oktober läuft die Vorselektion in der Salle St. Léonard, am 8. Oktober tagt die Super-Jury über den Kategoriensiegern, am 9. Oktober folgen der Käseplatten-Wettbewerb im L’Atelier und abends die Preisverleihung. Vergeben werden Schweizer-Meister-Titel in den drei Divisionen Extrahart- und Hartkäse, Halbhartkäse sowie Weich- und Frischkäse.

Organisiert wird der Anlass von der Switzerland Cheese Marketing AG. Die Wahl des Austragungsorts ist kein Zufall: Fribourg trägt seit 2023 den UNESCO-Titel Creative City of Gastronomy und rückt mit dem Anlass die Romandie ins Zentrum eines Wettbewerbs, der zuletzt 2024 in Lugano stattfand. Käseplatten-Wettbewerb und Preisverleihung sind öffentlich zugänglich.

Mehr dazu bei den Swiss Cheese Awards

Tanja Grandits überbrückt den Umzug mit einem Shop am Rheinufer

Tanja Grandits hat Mitte August an der St. Johanns-Vorstadt 38 in Basel einen zweiten Shop eröffnet, in den früheren Räumen des Grimsel Concept Store mit Blick auf den Rhein. Das Sortiment entspricht jenem des bestehenden Ladens an der Bruderholzallee: eigene Produkte, Geschirr und Küchengerät, Keramik von Esther Spychiger, Kissen von Pascale Wiedemann, Kosmetik von Susanne Kaufmann.

Der Hintergrund ist der bevorstehende Umzug ihres Restaurants: Im Februar 2027 zieht das Stucki ins Rhypark, bis November 2027 wird dort statt des neungängigen ein sechsgängiges Menü serviert. Der Shop an der Bruderholzallee bleibt bis Ende September 2026 offen. Ob der neue Standort Übergangslösung oder Dauereinrichtung wird, lässt Grandits laut Mitteilung bewusst offen. «So bleiben wir auch während der Bauzeit nah bei unseren Gästen», wird sie zitiert – eine nüchterne Erklärung für einen Schritt, der auch Markenpflege in einer Phase ohne Restaurantbetrieb an gewohnter Adresse ist.

Tanja Grandits in ihrer Küche
Tanja Grandits überbrückt mit einem zweiten Shop die Bauzeit bis zum Umzug des Stucki.

Mehr dazu bei Presseportal.ch

Gastro-Szene: die wichtigsten Gastro News aus der Schweiz

Markus Stöckle eröffnet am 8. September das «Marküs»

Markus Stöckle startet am 8. September an der Glockengasse 7 in der Zürcher Altstadt sein eigenes Restaurant. Das Marküs bezieht die historische «Kaisers Reblaube», ein Haus mit rund 700 Jahren Gastgeschichte. «Alles, nur kein Wirtshaus» sei die Vorgabe, wie GaultMillau berichtet.

Stöckle bringt Stationen in Bayern, Japan, im Fat Duck und in Spanien mit. Sein saisonales Menü setzt stark auf Fermentation, entwickelt in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich. Angekündigt sind unter anderem neu gedachte Älplermagronen und Zürichsee-Felchen mit fermentierter Bohnensauce und Sansho-Pfeffer von regionalen Lieferanten. Das Interior stammt vom Mailänder Studio Dragó: im Erdgeschoss rot lackierte Wände, im ersten Stock die originale Täferung des Goethe-Zimmers. Gestartet wird vorerst nur mit Abendservice, ein Mittagsangebot soll folgen.

Bemerkenswert ist die Konstellation: Stöckle hat sich als Küchenchef des Rosi einen Namen gemacht und wechselt nun in die Selbständigkeit – in einem Jahr, in dem die Zahl der Gastro-Konkurse in der Schweiz hoch bleibt.

Mehr dazu bei GaultMillau

Der Teufelhof Basel ordnet seine gesamte Gastronomie neu

Im Juni-Roundup hatten wir den Generationenwechsel im Basler Kulturhaus Der Teufelhof Basel gemeldet: Gründungskoch Michael Baader ging nach über drei Jahrzehnten in Pension, Christoph Hartmann übernahm die Küche per 1. Juli. Nun zeigt sich, dass dahinter ein weit grösserer Umbau steckt: Das Haus ordnet seine gesamte Gastronomie neu.

Mitte Oktober 2026 eröffnen das Gourmetrestaurant Nova, das die Bel Etage ablöst, und die Bar 47 im Erdgeschoss anstelle der Bar zum Teufel. Im Frühling 2027 folgt das neu lancierte Atelier. Das mehrgängige Menü im Nova wird unter Hartmann durchgehend auch vegetarisch angeboten. Die Bar 47 versteht sich als Bar, Restaurant und Treffpunkt zugleich, mit Mittagstisch, Small Plates, Drinks und eigenem Bier. Die Stuben wurden vom Büro Bravo Ricky neu gestaltet.

Die Struktur bleibt damit erhalten – Gourmet, Casual, Café, Bar –, aber jeder Bereich erhält innerhalb von sechs Monaten ein neues Konzept. Für ein Kunsthotel, dessen Gastronomie über Jahrzehnte eng mit einem Namen verbunden war, ist das ein bemerkenswert konsequenter Schnitt.

Mehr dazu bei Bajour

Park Hyatt Zürich ersetzt das Parkhuus durch das «Florea»

Das Park Hyatt Zürich gibt sein langjähriges Restaurantkonzept Parkhuus auf und eröffnet im November 2026 das Florea. Küchenchef wird Simon Bantle, der zuvor bei Claus-Peter Lumpp im Hotel Bareiss in Baiersbronn und bei Tristan Brandt im Epoca in Flims gearbeitet hat.

Simon Bantle, Küchenchef des neuen Restaurants Florea im Park Hyatt Zürich
Simon Bantle übernimmt die Küche im neuen Florea des Park Hyatt Zürich.

Das Florea positioniert sich laut GaultMillau als eine Art Schweizer Marktplatz mit dem Besten aus dem Alpenraum – der Fokus liegt auf hochwertigen regionalen Produkten. Treiber der Neuausrichtung ist Marc Epper, zuvor General Manager im Mandarin Oriental München, der die Direktion des Park Hyatt übernommen hat und das Haus im Zürcher Gastronomie-Wettbewerb neu aufstellen will.

Die Stossrichtung ist auffällig deckungsgleich mit anderen Neueröffnungen des Monats: Alpenraum, regionale Produzenten, Terroir statt internationale Hotelküche. Ob sich damit im dicht besetzten Zürcher Fine-Dining-Segment ein eigenes Profil gewinnen lässt, wird sich zeigen müssen.

Mehr dazu bei GaultMillau

Die NZZ betreibt neu eine eigene Bar im Zürcher Hauptbahnhof

Seit dem 13. August führt die Neue Zürcher Zeitung im ersten Obergeschoss der Haupthalle des Zürcher Hauptbahnhofs eine eigene Bar. Die NZZ Bar belegt die Räume der früheren «Time Lounge» und bietet rund 60 Sitzplätze mit Gleisblick sowie zwei Meetingräume mit den Namen «Debatte» und «Perspektive». Betrieben wird sie gemeinsam mit Candrian Hospitality, dem Zürcher Familienunternehmen, das seit 1923 besteht und heute rund 45 Gastronomiebetriebe führt.

Das Angebot reicht vom Morgenkaffee bis zum abendlichen Drink; die Möblierung wurde mit Designspezialisten von Teo Jakob erneuert und folgt dem NZZ-Branding. Als erster öffentlicher Ort bietet die Bar kostenlosen Zugang zu den digitalen NZZ-Inhalten. Geplant sind zudem gemeinsame Anlässe, darunter Veranstaltungen von «NZZ Live».

Innenansicht der NZZ Bar im Zürcher Hauptbahnhof mit Blick auf die Bahnhofshalle
Die NZZ Bar im ersten Obergeschoss der Haupthalle – rund 60 Plätze mit Gleisblick.

Der Schritt ist weniger Gastronomie als Markenstrategie: Ein Verlag baut sich einen physischen Ort an einer der frequentiertesten Adressen des Landes – Reichweite in Beton statt in Klicks. Ob das Konzept über den Neuigkeitswert hinausträgt, hängt an der operativen Qualität, und die liegt bei Candrian.

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Hotellerie

Was die Gastro News Schweiz im August besonders macht: Die stärksten Impulse kommen nicht aus den Städten, sondern aus der Peripherie.

Evolène wird zum Albergo Diffuso

Das Walliser Bergdorf Evolène im Val d’Hérens auf 1370 Metern wird schrittweise zum verteilten Hotel. Am 21. August ist mit dem Boutiquehotel Le Central die erste Etappe des Projekts Le Rucher d’Evolène in Betrieb gegangen: sieben Zimmer, Garten, das Spa Olèïnna in Form einer alpinen Grotte mit Jacuzzi, Sauna und Zen-Raum, dazu Honesty Bar und Skiraum.

Das Konzept des Albergo Diffuso verteilt die Hotelfunktionen über bestehende Gebäude im Dorf, statt sie in einem Neubau zu bündeln. Genutzt wird historische Bausubstanz: Le For de Blatt von 1443, Chez Catherine & Joseph von 1595, Chez Madeleine von 1634, Chez Berthe von 1757 sowie traditionelle Walliser Raccards. Geplant sind als weitere Etappen die öffentlich zugängliche Brasserie La Pension, ein Kulturraum im Le For de Blatt, die Maison Jaune mit Sportgeschäft und zwei Gästezimmern sowie das Berghotel L’Hermitage mit 25 Zimmern ab 2028. Insgesamt sollen mindestens 34 Zimmer entstehen.

Verantwortlich ist CEO Steven Jacob, für die Architektur zeichnen Tamaris und Alp’Architecture, für das Interior das Studio Géraldine Dohogne, für integrierte Kunstwerke Studio C&C. Die Investitionssumme wurde nicht kommuniziert. Das Modell stammt aus Italien und wird in der Schweiz erst vereinzelt umgesetzt – es ist vor allem eine Antwort auf leerstehende Bausubstanz in Bergdörfern, deren Erhalt sich als Einzelobjekt nicht rechnet.

Mehr dazu bei Tophotel

Wysses Rössli in Schwyz startet nach Renovation neu

Das Wysses Rössli am Hauptplatz 3 in Schwyz nimmt nach einer Renovation den Betrieb wieder auf. Das Haus ist seit 1642 verwurzelt und damit knapp 400 Jahre alt. Als Pächter der Reichmuth Immobilien AG führen Gérard Kuhn und Angela Hug den Betrieb; beide haben sich mit verschiedenen Häusern in der Innerschweiz einen Namen gemacht.

Gastronomisch arbeitet das Haus zweigleisig: im Erdgeschoss ein Restaurant im casual Segment, im ersten Stock das Gourmetrestaurant Le Petit Cheval. Die Küche leitet Michael Engel, der seine Ausbildung am Salem-Spital in Bern absolvierte und in namhaften Schweizer Betrieben gearbeitet hat; seine Linie setzt auf Schweizer Produkte und saisonale Ware ausgewählter Produzenten. Angela Hug führt als Gastgeberin die Weinkarte mit über 500 Positionen und zählt zu den zehn besten Sommelières der Schweiz. Das Le Petit Cheval hält zwei Gläser im Wine Spectator, wurde zweimal mit dem Swiss Wine Award ausgezeichnet und ist Mitglied der Mémoire Restaurants. Geöffnet ist von Donnerstag bis Sonntag.

Dass ein Traditionshaus in einer Kantonshauptstadt mit rund 15’000 Einwohnern ein ambitioniertes Gourmetkonzept trägt, ist in der aktuellen Marktlage bemerkenswert – die Weinkompetenz dürfte dabei der eigentliche Differenzierungsfaktor sein.

Mehr dazu beim Wysses Rössli

Häufige Fragen

Was ändert sich mit dem revidierten Lebensmittelrecht per 1. August 2026 konkret?

Das BLV hat drei Bereiche angepasst: die Rückstandshöchstgehalte von Pflanzenschutzmitteln auf Lebensmitteln, die Zulassungsbestimmungen für Zusatzstoffe und Aromen sowie die Vorgaben zur Desinfektion von Badewasser. Ziel sind ein besserer Gesundheits- und Täuschungsschutz und die Angleichung an EU-Recht. Die Details stehen im BLV-Faktenblatt vom 23. Juli 2026.

Wann und wo finden die Swiss Cheese Awards 2026 statt?

Vom 6. bis 11. Oktober 2026 in Fribourg. Rund 1000 Käse treten in 33 Kategorien an, bewertet von etwa 200 Jurorinnen und Juroren. Der Käseplatten-Wettbewerb am 9. Oktober und die Preisverleihung am selben Abend sind öffentlich zugänglich. Es ist die 14. Ausgabe des Wettbewerbs.

Was ist ein Albergo Diffuso?

Ein Hotelmodell, bei dem Zimmer, Rezeption, Restaurant und weitere Funktionen auf mehrere bestehende Gebäude eines Dorfes verteilt sind, statt in einem Neubau zu liegen. Das Konzept stammt aus Italien und dient primär dazu, historische Bausubstanz zu erhalten und zu nutzen. In Evolène entstehen so mindestens 34 Zimmer in Häusern aus dem 15. bis 18. Jahrhundert.

Was ersetzt das Restaurant Parkhuus im Park Hyatt Zürich?

Ab November 2026 das Florea unter Küchenchef Simon Bantle, der zuvor bei Claus-Peter Lumpp im Hotel Bareiss und bei Tristan Brandt im Epoca in Flims tätig war. Das Konzept ist als Schweizer Marktplatz mit Fokus auf Produkten aus dem Alpenraum angelegt.

Warum eröffnet Tanja Grandits einen zweiten Shop in Basel?

Als Überbrückung: Ihr Restaurant zieht im Februar 2027 ins Rhypark, der Shop an der Bruderholzallee bleibt nur bis Ende September 2026 offen. Der neue Standort an der St. Johanns-Vorstadt 38 hält die Verbindung zu den Gästen während der Bauzeit. Ob er dauerhaft bleibt, ist offen.

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