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Frage der Woche
2026  ·  jeden Freitag

Was ist Gin? Die Antwort steht nicht auf dem Etikett mit der langen Botanicals-Liste, sondern im Gesetz – und sie ist erstaunlich knapp.

Die kurze Antwort

Gin ist die einzige Spirituose, die über eine einzige Zutat definiert wird: Wacholder. Ohne vorherrschenden Wacholdergeschmack ist ein Getränk rechtlich kein Gin – egal, wie viele Botanicals darin stecken. Dazu mindestens 37,5 % vol.

Viele halten die Vielfalt der Botanicals für das Wesen des Gins – Koriander, Zitrusschalen, Kardamom, Angelikawurzel. Der Gesetzgeber sieht das nüchterner. Die EU-Spirituosenverordnung (2019/787) verlangt zwingend nur eines: Der Geschmack muss von Wacholderbeeren (Juniperus communis) stammen und vorherrschen. Alles andere ist Kür, nicht Pflicht.

Was ist Gin – die drei Kategorien der EU

Gin ist nicht gleich Gin. Die Verordnung kennt drei Stufen mit steigender Strenge. Einfacher «Gin» darf mit Aromastoffen angereichert werden. «Destillierter Gin» entsteht, indem Wacholder und Botanicals mitdestilliert werden. Die höchste Stufe ist der «London Gin», meist als London Dry bezeichnet: Hier dürfen während der Destillation nur natürliche pflanzliche Stoffe zum Einsatz kommen, danach nichts ausser Wasser. London Dry ist damit ein Verfahren, keine Herkunft – ein solcher Gin kann überall gebrannt werden.

Wo der Gin aufhört

Für das Glas heisst das: Nimmt ein Produkt den Wacholder so weit zurück, dass Zitrus oder Blüten dominieren, bewegt es sich am Rand der Kategorie – oder ausserhalb. Und «alkoholfreier Gin»? Der darf sich streng genommen gar nicht so nennen: Ein Gericht hat bestätigt, dass Gin ohne Alkohol keiner ist. Der Wacholder bleibt die Grenze, an der sich alles entscheidet.

Auf einen Blick: Die drei Gin-Kategorien der EU
Gin Wacholder vorherrschend, Aromastoffe erlaubt
Destillierter Gin Botanicals mitdestilliert
London (Dry) Gin nur natürliche Stoffe, keine Zusätze danach
Mindestalkohol (alle) 37,5 % vol.

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