2026 · jeden Freitag
Die kurze Antwort
Viele halten die Vielfalt der Botanicals für das Wesen des Gins – Koriander, Zitrusschalen, Kardamom, Angelikawurzel. Der Gesetzgeber sieht das nüchterner. Die EU-Spirituosenverordnung (2019/787) verlangt zwingend nur eines: Der Geschmack muss von Wacholderbeeren (Juniperus communis) stammen und vorherrschen. Alles andere ist Kür, nicht Pflicht.
Was ist Gin – die drei Kategorien der EU
Gin ist nicht gleich Gin. Die Verordnung kennt drei Stufen mit steigender Strenge. Einfacher «Gin» darf mit Aromastoffen angereichert werden. «Destillierter Gin» entsteht, indem Wacholder und Botanicals mitdestilliert werden. Die höchste Stufe ist der «London Gin», meist als London Dry bezeichnet: Hier dürfen während der Destillation nur natürliche pflanzliche Stoffe zum Einsatz kommen, danach nichts ausser Wasser. London Dry ist damit ein Verfahren, keine Herkunft – ein solcher Gin kann überall gebrannt werden.
Wo der Gin aufhört
Für das Glas heisst das: Nimmt ein Produkt den Wacholder so weit zurück, dass Zitrus oder Blüten dominieren, bewegt es sich am Rand der Kategorie – oder ausserhalb. Und «alkoholfreier Gin»? Der darf sich streng genommen gar nicht so nennen: Ein Gericht hat bestätigt, dass Gin ohne Alkohol keiner ist. Der Wacholder bleibt die Grenze, an der sich alles entscheidet.
| Gin | Wacholder vorherrschend, Aromastoffe erlaubt |
| Destillierter Gin | Botanicals mitdestilliert |
| London (Dry) Gin | nur natürliche Stoffe, keine Zusätze danach |
| Mindestalkohol (alle) | 37,5 % vol. |
Jeden Freitag eine Antwort aus der Welt des Genusses.













