FOOD ZURICH ist Geschichte – vorerst. 2026 tritt an die Stelle des Festivals ein zehnmonatiges Programm, das den ganzen Kanton Zürich zur Bühne macht: für gutes Essen, lokale Produktion und neue Ideen.

Auf einen Blick – Genussregion Zürich 2026

Was: Zürich ist 2026 die offizielle Schweizer GenussRegion – mit über 200 Events in zehn Regionen des Kantons.

Wann: März bis Dezember 2026. Höhepunkt: Schweizer Genusswoche, 17.–27. September.

Wer: Trägerverein Goût Zürich (9 Branchenverbände), unterstützt von Kanton, Stadt, Zürich Tourismus und 25+ Partnern.

Patin: Zineb «Zizi» Hattab (Restaurant KLE).

Themenfelder: Genuss & Kulinarik | Ernährung & Gesundheit | Wissenschaft & Innovation.

Programm & Tickets: genussregion.zuerich

Das Ende einer Ära – und der Anfang einer neuen

Zehn Jahre lang war FOOD ZURICH das kulinarische Aushängeschild der Limmatstadt. Was 2012 als «il TAVOLO» begann – sechs Hotels, die einen langen Tisch auf die Strasse stellten –, wuchs ab 2016 zu einem der grössten Food-Festivals Europas. Knapp 750’000 Besucherinnen und Besucher kamen über die Jahre, allein 2024 rund 100’000 während elf Festivaltagen. Zum Jubiläum 2025 erstreckte sich die «Längste Tafel der Schweiz» über 1,2 Kilometer entlang der Zürcher Seepromenade.

Dann kam das Aus – zumindest vorläufig. Der «Verein Food Zurich» wurde per 31. März 2026 aufgelöst. Die Erklärung auf der Website liest sich nüchtern: ein «immer schwierigeres Umfeld für sponsoringfinanzierte Veranstaltungen». Das Festival finanzierte sich zu 94 Prozent über Sponsoren und Partner; der städtische Beitrag lag bei sechs Prozent. Als die Geldgeber zurückhaltender wurden, fehlte die Basis. Die Marke FOOD ZURICH ging an Zürich Tourismus. Ein neues Konzept soll ab 2027 stehen – die Details sind offen.

Die Lücke im Kalender 2026 bleibt aber nicht leer. Im Gegenteil.

Von der Europaallee in den Kanton – was die Genussregion bietet

Zürich trägt 2026 den Titel «Schweizer GenussRegion» – verliehen von der Stiftung der Schweizer Genusswoche (Semaine du Goût). Erstmals wird nicht eine Stadt ausgezeichnet, sondern eine ganze Region. Basel hatte den Titel 2022, Freiburg 2023, Aigle 2025. Zürich setzt neue Massstäbe: zehn Monate statt zwei Wochen, zehn Regionen statt ein Festivalgelände.

Das Programm läuft von März bis Dezember. Organisiert wird es vom Trägerverein Goût Zürich, einem Zusammenschluss von neun Branchenverbänden aus Gastronomie und Hotellerie. Dahinter stehen der Kanton Zürich, die Stadt Zürich, Zürich Tourismus und über 25 weitere Organisationen – von der ZHAW über den Strickhof bis zur gategroup.

Bunte Schokoladentafeln mit verschiedenen kunstvollen Motiven sind auf einem Tisch in Holzkisten und Stapeln auf einem Markt oder in einem Geschäft ansprechend präsentiert. Die Verpackungen sind farbenfroh und mit abstrakten und illustrierten Mustern verziert.
Die Genussregion 2026 ist ein Experiment – zehn Monate, zehn Regionen, über 200 Events.

Über 200 Events sind angekündigt. Im Mai allein reicht das Angebot von Fermentations-Workshops bei ALBA Sourdough Pizza über das Spargel-Tram durch Zürich bis zum Turicum Gin Lab. Wer es wissenschaftlicher mag, findet im Soil to Soul Symposium Diskussionen über nachhaltige Ernährungssysteme. Und wer schlicht gut essen will, dem öffnen Betriebe vom Zürcher Oberland bis zum Weinland ihre Türen.

Drei Themenfelder strukturieren das Programm: «Genuss & Kulinarik» setzt auf Handwerk und Gastfreundschaft. «Ernährung & Gesundheit» greift die städtische Ernährungsstrategie auf. Im Juni 2026 lancierte die Genussregion das Themenprogramm «Klima à la carte» – eine Kooperation von Stadt und Kanton Zürich mit Winterthur, bei der Restaurants klimafreundliche Menüs ins Zentrum rücken. «Wissenschaft & Innovation» bringt Foodtech-Startups und ETH-Forschung auf den Teller. Letzteres passt: Zürich beheimatet ein dichtes Foodtech-Ökosystem.

Patin ist Zineb «Zizi» Hattab, Gründerin des veganen Sternerestaurants KLE. Hattab hat ihr Konzept inzwischen auf drei Lokale erweitert: Neben dem KLE (1 Michelin-Stern, 15 GM-Punkte) betreibt sie das DAR (Bib Gourmand) und die Weinbar COR. Die Küche im KLE führt seit kurzem Alessandro Scaccia als Küchenchef. Im Falstaff-Interview sagte sie: «Als ich 2012 hierherkam, war die Szene noch recht klein. Heute ist sie explodiert.» Neben ihr treten Rolf Hiltl, Martin Jucker und Susanne Spaltenstein als Genussbotschafter auf.

Der grösste Unterschied zum alten FOOD ZURICH: Das Programm ist partizipativ. Restaurants, Produzenten und Gastrobetriebe im ganzen Kanton können eigene Anlässe über die Plattform genussregion.zuerich einreichen. Das macht die Genussregion dezentral und offen – aber auch unübersichtlicher als ein kompaktes Festival mit klarem Programm. Ob die Formel «Dorfplatz statt Gala», wie es ein Medienbericht formulierte, die gleiche Strahlkraft entwickelt, wird sich zeigen.

Zürichs Food-Szene – mit oder ohne Festival

Die Genussregion fällt in eine Phase, in der Zürichs kulinarische Landschaft so vielfältig ist wie selten zuvor. Der GaultMillau Guide 2026 listet 17 neue Restaurants allein im Kanton: Mura von Kenichi Arimura erhielt auf Anhieb 15 Punkte. Der Dry Club im Tipsy Tiger brachte es mit Smashed Burgern auf 14 Punkte – das erste GaultMillau-Restaurant an der Langstrasse. Frisk Fisk setzt mit nordischen Fischgerichten bei 14 Punkten an und bietet seit kurzem mittwochs «RÅ Sushi» – ein neues Abendformat.

Pop-ups treiben die Szene an. Jana Heinichen servierte vietnamesische Küche und sorgte für Wartelisten. Andrin Steuri brachte Bistronomie ins Milieu. Daneben floriert das Prinzip: ein Lokal, ein Produkt, perfektioniert. Sappo Ramen kocht zwölf Stunden für eine Sapporo-Brühe. Zio Panino macht nichts ausser italienische Panini. Babas Döner grillt ausschliesslich über Holzkohle.

 

Eine Person mit ausgestreckten Händen hält ein verpacktes rundes Gebäckstück in der Hand. Auf der Verpackung steht „Genuss Region Zürich“. Der Hintergrund ist unscharf, was auf eine Innenaufnahme hindeutet.
Zürich trägt 2026 den von der Stiftung der Schweizer Genusswoche verliehenen Titel «Schweizer GenussRegion». Das Programm umfasst über 200 Events in zehn Regionen des Kantons – von März bis Dezember.
Hinter den Restaurants steht eine ebenso aktive Produzentenszene. Turicum Gin und Gents Tonic Water haben sich weit über Zürich hinaus etabliert. Die Schokoladenmanufakturen La Flor und Taucherli arbeiten nach dem Bean-to-Bar-Prinzip. John Baker und die Bäckerei Imholz stehen für handwerkliches Brot. Und der Kanton ist mit über 600 Hektaren Rebfläche der grösste Weinbaukanton der Deutschschweiz – von Blauburgunder im Weinland bis zu Räuschling am Zürichsee.Auch die Craft-Beer-Szene hat Substanz: Turbinenbräu, 1997 gegründet, beliefert rund 100 Betriebe. Dr. Brauwolf bietet mit «Hopfenwasser» eine alkoholfreie Alternative. Solche Geschichten erzählen sich von selbst. Die Genussregion gibt ihnen eine gemeinsame Bühne.

Was bleibt – und was kommt

Höhepunkt ist die 26. Schweizer Genusswoche vom 17. bis 27. September 2026. Am 26. September geht der Stafettenstab an die nächste GenussStadt. Im November folgt der Award «Zürich Signature», der am 6. November im Kongresshaus in den drei Feldern Kulinarik, Gesundheit und Innovation vergeben wird.

Das Timing passt. Die Tourismusregion verzeichnete 2025 mit 7,56 Millionen Logiernächten einen Rekord. Allein die Stadthotels zählten 2024 rund vier Millionen Übernachtungen. Thomas Wüthrich von Zürich Tourismus setzt auf «Qualität vor Menge» und eine «lebenswerte Premium-Destination». Die Gastronomie spielt in dieser Strategie eine zentrale Rolle.

Und FOOD ZURICH? Zürich Tourismus hatte angekündigt, ein neues Konzept noch vor den Sommerferien 2026 vorzustellen. Bis Ende Juni lag keine offizielle Kommunikation vor. Ob es 2027 wieder ein kompaktes Festival wird oder etwas ganz anderes, bleibt offen. Sicher ist: Die Zürcher Food-Szene braucht kein einzelnes Event, um relevant zu sein. Aber ein Leuchtturm schadet nie.

Die Genussregion 2026 ist ein Experiment – zehn Monate, zehn Regionen, über 200 Events. Ob die dezentrale Formel funktioniert, hängt davon ab, wie viele Menschen den Weg von der Europaallee ins Weinland, ins Knonauer Amt oder nach Rapperswil finden. Die Zutaten sind da. Jetzt muss jemand daraus etwas kochen.

Häufige Fragen zur Genussregion Zürich 2026

Was ist aus FOOD ZURICH geworden?

Der «Verein Food Zurich» wurde per 31. März 2026 aufgelöst. Die Marke ging an Zürich Tourismus, das ein neues Konzept ab 2027 angekündigt hat. Die Details standen Ende Juni 2026 noch aus. 2026 findet kein FOOD-ZURICH-Festival statt.

Was ist die Genussregion Zürich 2026?

Zürich trägt 2026 den von der Stiftung der Schweizer Genusswoche verliehenen Titel «Schweizer GenussRegion». Das Programm umfasst über 200 Events in zehn Regionen des Kantons – von März bis Dezember.

Wann findet die Schweizer Genusswoche 2026 statt?

Vom 17. bis 27. September 2026. Am 26. September wird der Titel an die nächste GenussStadt übergeben.

Wo finde ich das Programm und Tickets?

Auf der offiziellen Plattform genussregion.zuerich. Dort können auch Gastrobetriebe eigene Events einreichen.

Wer steht hinter der Genussregion?

Der Trägerverein Goût Zürich, ein Zusammenschluss von neun Branchenverbänden, unterstützt von Kanton und Stadt Zürich, Zürich Tourismus sowie über 25 weiteren Organisationen.

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