Baur au Lac Vins hat Álvaro Palacios und seinen Neffen Ricardo Pérez Palacios zu den «Winzern des Jahres 2026/2027» ernannt. Damit rückt ein Zürcher Traditionshaus eine Familie ins Licht, die spanischen Wein über drei Regionen hinweg neu definiert hat. Im Priorat, im Bierzo und in der Rioja steht der Name Palacios für dasselbe Prinzip: Herkunft vor Rebsorte, Finesse vor Wucht. Die Auszeichnung ist mehr als eine Geste. Sie markiert, wohin sich der spanische Spitzenwein in dreissig Jahren bewegt hat.
Álvaro Palacios führt drei eigenständige Güter in drei spanischen Appellationen. Im Priorat steht das gleichnamige Weingut, im Bierzo arbeitet er mit Ricardo unter dem Namen Descendientes de J. Palacios, in der Rioja Oriental liegt das elterliche Gut Palacios Remondo. Drei Landschaften, drei Charaktere – und doch eine erkennbare Handschrift.
Über alle drei Betriebe zieht sich dasselbe Denken. Die Lage zählt, nicht die Rebsorte. Palacios denkt burgundisch und arbeitet mit den heimischen Sorten der jeweiligen Region: Garnacha in Rioja und Priorat, Mencía im Bierzo. Dazu kommen biodynamischer Anbau, alte Buschreben und konsequent reduzierte Erträge.

Dieses Prinzip verbindet den günstigen Einstiegswein mit dem teuren Cru. Es ist der rote Faden hinter der Zürcher Auszeichnung.
«Die Familie Palacios steht für genau jene Art von spanischem Wein, die uns heute besonders begeistert: präzise, charakterstark und tief in ihren Landschaften verwurzelt», sagt Marc Almert, Geschäftsführer und Sommelier-Weltmeister 2019. «Diese Weine erzählen nicht nur von Herkunft, sie machen sie unmittelbar erlebbar.» Die Zusammenarbeit reicht weit zurück. Sie begann vor rund 25 Jahren in der Rioja. Seit 2025 importiert das Haus das gesamte Palacios-Portfolio in die Schweiz.
Baur au Lac Vins: über 180 Jahre Weinhandel
Baur au Lac Vins zählt zu den prestigeträchtigsten Weinhandelshäusern der Schweiz. Seit 1844 versorgt das Haus die Schweiz mit ausgesuchten Weinen und Spirituosen, stets mit dem Anspruch, etwas Besonderes zu bieten. Heute wird es in siebter Generation geführt – über 180 Jahre Familiengeschichte. An der Spitze steht Marc Almert, Geschäftsführer und Sommelier-Weltmeister 2019. Vier Weinshops in und um Zürich sowie der Onlineshop bilden das Rückgrat; dazu beliefert das Haus Gastronomie und Fachhandel. Mit dem Titel «Winzer des Jahres» ehrt es jährlich eine prägende Weinpersönlichkeit.
Álvaro Palacios: Vom Stierkämpfer-Traum zum Pionier des Priorats
Álvaro Palacios wurde 1964 in der östlichen Rioja geboren, als siebtes von neun Geschwistern. Er kam buchstäblich auf dem Weingut zur Welt. Sein Vater José hatte Mitte der 1940er-Jahre die Kellerei in Alfaro gebaut, einer Familientradition folgend, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. Wäre er nicht Winzer geworden, sagt er, hätte er Torero werden wollen. Der Weg in den Familienbetrieb schien vorgezeichnet. Dann kam alles anders.
Mit 21 ging Palacios zum Önologie-Studium nach Bordeaux. Zwei Jahre arbeitete er auf dem legendären Château Pétrus, später bei Stag’s Leap in Kalifornien. Frankreich stellte sein Weinverständnis auf den Kopf. In Spanien entschied damals vor allem die Reifedauer im Fass über Crianza, Reserva oder Gran Reserva. Im Burgund dagegen drehte sich alles um Herkunft, um Lagen, um Boden. Die besten Parzellen waren dort seit dem Mittelalter bekannt und kartografiert. Palacios war überzeugt, dass auch Spanien dieses Potenzial barg.
Seine erste Station wurde das Priorat. Die Familie erklärte ihn für verrückt. Warum eine sichere Zukunft aufgeben für eine verwilderte Weinregion anderthalb Autostunden von Barcelona? Doch genau dieses wilde, fast vergessene Fleckchen Erde suchte er. «Ich suchte nach einem Ort mit Mönchen – betrunkenen Mönchen», sagt er augenzwinkernd. Gemeint sind die Ordensbrüder, die in Europa einst die Weinkultur pflegten, so auch im Burgund.

Ende der 1980er-Jahre weckte er das Priorat gemeinsam mit einer Handvoll Gleichgesinnter wieder auf, der später als «Gang of Five» bekannten Gruppe um René Barbier. In schweisstreibender Handarbeit restaurierten die Idealisten brachliegende Rebberge mit knorrigen Garnacha- und Cariñena-Stöcken. Die Erträge auf dem brüchigen Llicorella-Schiefer gehören zu den niedrigsten der Welt. Das schreckte die Gruppe nicht ab.
1990 erwarb Palacios seinen ersten eigenen Rebberg: Clos Dofí, später umbenannt in Finca Dofí. Diesen Tropfen liebt er bis heute besonders. 1993 folgte die Lage, die ihn zur Legende machte: L’Ermita. Kaum anderthalb Hektar misst dieser Rebberg, ein spektakuläres Amphitheater mit 70- bis über hundertjährigen Buschreben. Die Hänge blicken nach Norden und Osten, die Reben wurzeln in Quarz und Schiefer, der pH-Wert des Bodens ist tief. So entsteht ein Wein von ungewöhnlicher Vertikalität, Frische und Mineralität.
Palacios wagte es, L’Ermita als teuersten Wein Spaniens zu lancieren – teurer als die etablierte Ikone Vega Sicilia. Mehrere 100-Punkte-Bewertungen festigten den Ruf des Ausnahmegewächses. Zugleich lenkte der Wein den Blick der Weinwelt nachhaltig auf das gesamte Priorat. Über Nacht war Palacios weltberühmt. Er war damals Anfang dreissig.
Auf einen Blick: Familie Palacios
| Auszeichnung | Winzer des Jahres 2026/2027 (Baur au Lac Vins) |
| Winzer | Álvaro Palacios & Ricardo Pérez Palacios (Onkel und Neffe) |
| Güter | Palacios Remondo (Rioja), Álvaro Palacios (Priorat), Descendientes de J. Palacios (Bierzo) |
| Prinzip | Burgundisches Lagendenken – die Herkunft prägt den Wein, nicht die Rebsorte |
| Arbeitsweise | Biodynamisch, alte Buschreben, winzige Erträge |
| Import Schweiz | Baur au Lac Vins (gesamtes Portfolio seit 2025) |
| Preisspanne | Porträtierte Weine CHF 18–73; Spitzengewächse über CHF 200 |
Ricardo Palacios und das versteckte Juwel Bierzo
Ende der 1990er-Jahre verliebte sich Ricardo Pérez Palacios in eine bis dahin kaum bekannte Region: das Bierzo im grünen Nordwesten Spaniens, an der Grenze zwischen Kastilien-León und Galicien. Wie sein Onkel hatte er in Bordeaux studiert. Wie dieser kam er mit der Vision zurück, grosse Weine aus einzigartigen Lagen zu keltern. 1998 gründeten beide gemeinsam Descendientes de J. Palacios.
Hier stiessen sie auf eine Rebsorte, von der man im übrigen Europa kaum je gehört hatte: Mencía. Sie ergibt Weine mit betörender Fruchtsüsse, delikatem Tannin und enormer Frische. Ricardo selbst nennt das Bierzo die «most Frenchified» unter den spanischen Weinregionen. Für ihn wurde die Traube zur Offenbarung. «Mencía überrascht uns immer wieder aufs Neue», sagt er nach über 25 Jahren in der Region.

Und erneut fand die Familie eine ganz besondere Lage: La Faraona. Ein halber Hektar Schiefer- und Quarzboden, der auf fast tausend Meter emporklettert, bestockt mit 1954 gepflanzten Reben. Der Wein gilt als der diskreteste unter Spaniens Spitzengewächsen. Ein Geheimtipp für echte Kenner.
Wie konsequent Ricardo arbeitet, zeigt eine Anekdote aus dem ersten Jahrgang. Der höchste Rebberg im Dorf wurde früher zu früh gelesen, die Trauben waren selten reif. Ricardo bat den damaligen Besitzer, mit der Lese zu warten – und wieder zu warten. Schliesslich brachte dieser die Trauben einen ganzen Monat später ein. Es war der Jahrgang 2001, bis heute einer der besten des Guts.
Mencía verlangt nach dem richtigen Service. Am besten trinkt man die Weine kühl, bei 12 bis 15 Grad. Am schönsten entfalten sie sich im bauchigen Burgunderglas. Es ist eine gastronomische Rebsorte par excellence, ein hervorragender Begleiter zu Fisch, Fleisch und gereiftem Käse.
Zurück zu den Wurzeln: die Rioja Oriental
Seit dem Jahr 2000 ist Álvaro Palacios auch wieder in der Rioja zu Hause. Nach dem Tod des Vaters übernahm er das Familiengut Palacios Remondo in Alfaro, am Fuss des Monte Yerga. Manchmal muss man erst weggehen, um zu Hause anzukommen.
Alfaro liegt in der Rioja Oriental, der östlichen und unbekanntesten Seite der Region. Mit rund 24’000 Hektar macht sie mehr als ein Drittel der Rioja aus, doch die berühmten Kellereien liegen weiter nordwestlich um Haro und Logroño. Hier ist der Einfluss des Mittelmeers deutlich spürbar. Die Böden sind wärmer, die Lagen mit 300 bis 700 Metern höher. Im Süden durchzieht das Iberische Gebirge die Region – die Wiege der Garnacha.
Genau dieser Garnacha gab Palacios neue Autorität zurück. Statt schwerer Reife prägen heute saftige Frucht, florale Nuancen und Frische den Stil. «Garnacha ist die Königin der Rioja Oriental», sagt er. «Doch sie kommt nicht allein.» Traditionell steht sie im gemischten Satz, begleitet von alten Sorten wie Graciano und Mazuelo, der weissen Viura oder der rosafarbenen Garnacha Roya. In der Assemblage machen sie zehn bis 25 Prozent aus.
Das schönste Beispiel ist die Finca La Montesa, ein Crianza mit modernem Touch. Die Lage pflanzte schon Álvaros Vater, auf den typischen, leuchtend roten Böden aus eisenhaltigem Lehm. Selbst diesem Einstiegswein gibt Palacios jede Menge Persönlichkeit mit.
Mit dem Quiñón de Valmira schuf er auch hier einen Spitzenwein. Der Rebberg liegt auf genau 616 Metern Höhe. Unter nur 20 Zentimetern fruchtbarer Erde stösst man auf rund sechs Meter Kalziumkarbonat – Kalk, weiss wie Kreide, ähnlich wie in der Champagne. Die kalten Winde des Nordwestens und die Höhe halten die Reben gesund. «Diese drei Weinberge trafen mich wie ein Pfeil mitten ins Herz», sagt Palacios über L’Ermita, La Faraona und Quiñón de Valmira.
Inzwischen arbeitet auch Tochter Lola im Betrieb mit. Wie ihr Vater studierte sie in Bordeaux, mit Stationen an der Rhône, im Burgund, in Kalifornien und Spanien. Seit 2024 bringt sie sich ins Unternehmen ein. Der Kreis schliesst sich – oder vielleicht auch nicht.
Die sechs Weine im Kurzporträt
Finca La Montesa Crianza 2021 – Palacios Remondo, Rioja Oriental, Garnacha, CHF 18.50. Ein Klassiker mit modernem Touch: weich und fliessend, mit viel Saft und mürbem Tannin. Der Preis-Leistungs-Sieger des Sortiments.

Pétalos 2020 – Descendientes de J. Palacios, Bierzo, Mencía mit kleinem Anteil weiterer autochthoner Sorten, CHF 19.50. Der ideale Einstieg ins Bierzo: zart und seidig, mit roter Frucht, Blütenduft und animierender Frische.

Camins del Priorat 2023 – Álvaro Palacios, Priorat, Cuvée aus Garnacha, Cariñena, Cabernet Sauvignon, Syrah, Merlot und weissen autochthonen Sorten, CHF 23.–. Der weltoffene Einstieg ins Schiefergebirge: würzig, floral, lebendig.

Les Terrasses 2022 – Álvaro Palacios, Priorat, Garnacha und Cariñena, CHF 29.90. Die tiefere, vielschichtigere Schiefer-Seite des Priorats, mit mehr Struktur und Mineralität.

Plácet de Valtomelloso 2023 – Palacios Remondo, Rioja Oriental, Viura, CHF 27.–. Der einzige Weisswein der Familie: saftig, vollmundig und dicht, im cremig-mineralischen Stil weisser Burgunder.

Finca Dofí 2022 – Álvaro Palacios, Priorat, Garnacha und Cariñena, CHF 73.–. Die noble Verdichtung der Herkunft: präzise, vielschichtig und finessenreich, ein grosser Wein mit Strahlkraft.

Eine Philosophie, die das spanische Weinbild verändert
Hinter allen drei Gütern steht eine Überzeugung, die Palacios seit seinen Bordeaux-Jahren nicht mehr losgelassen hat: Grosser Wein braucht vor allem Herkunft. Sein Vorbild ist das burgundische Modell von Region, Gemeinde und Einzellage – weg von der reinen Reifezeitskala, hin zu einer herkunftsorientierten Pyramide.
Diese Haltung ist längst mehr als persönliche Marotte. Im Priorat ist das System bereits Realität, rund 50 der 110 Produzenten machen mit. Im Bierzo wurde auf Ricardos Initiative ein ähnliches Modell eingeführt. Und in der Rioja gibt es mittlerweile ein Reglement für Einzellagenweine, die Viñedos Singulares. Palacios hat diese Entwicklung mitgeprägt.
Stilistisch bedeutet das eine klare Abkehr. Die wuchtige, hochextrahierte spanische Ästhetik der 1990er-Jahre ist passé. An ihre Stelle treten Frische, Finesse und ein moderater Alkoholgehalt. Spanischer Wein wird heute über Herkunft und Präzision verkauft, nicht über Punkte und Kraft. Für die Schweizer Gastronomie und den Fachhandel ist das ein deutliches Signal.
Für Palacios hat ein grosser Wein etwas Transzendentes. «Ein grosser klassischer Wein aus der alten Welt überschreitet die Grenze vom Physischen zum Emotionalen», sagt er. «Er enthält Jahrhunderte an Erfahrung und Weisheit.» Nur darum trinke er Wein: um diese Geheimnisse zu schmecken. Sein Lebensmotto fasst er knapp. «Demut ist das Geheimnis des Wissens.»
Sommerfest in Zürich: «Palacios y Amigos»
Wer die Weine selbst erleben will, hat bald Gelegenheit. Baur au Lac Vins lädt am Freitag, 3. Juli 2026 (15 bis 21 Uhr), und Samstag, 4. Juli 2026 (12 bis 18 Uhr), zum Sommerfest «Palacios y Amigos». Im Mittelpunkt stehen die Winzer des Jahres mit ihrer unverkennbaren Handschrift. Dazu gibt es Kulinarik von Paella bis zu Köstlichkeiten vom Feuerring-Grill und Gespräche mit Gleichgesinnten. Programm und Anmeldung über die offizielle Sommerfest-Seite von Baur au Lac Vins. Einen weiteren Höhepunkt setzt die grosse Degustation «The Art of Wine Selection» am 15. und 16. November 2026 im Baur au Lac.
Häufige Fragen zu Álvaro Palacios
Wer ist Álvaro Palacios?
Álvaro Palacios ist ein spanischer Winzer und gilt als einer der einflussreichsten Erneuerer des spanischen Weins. Geboren 1964 in der Rioja, führt er heute drei Güter in den Regionen Priorat, Rioja und Bierzo. Bekannt wurde er durch die Wiederbelebung des Priorats und durch Spitzenweine wie L’Ermita, der zu den teuersten Spaniens zählt.
Was unterscheidet Álvaro von Ricardo Pérez Palacios?
Álvaro Palacios ist der Onkel, Ricardo Pérez Palacios der Neffe. Gemeinsam gründeten sie 1998 das Gut Descendientes de J. Palacios im Bierzo. Ricardo verantwortet dort die tägliche Arbeit mit der Rebsorte Mencía. Álvaro konzentriert sich auf das Priorat und die Rioja. Die Auszeichnung von Baur au Lac Vins ehrt beide gemeinsam.
Welches sind die wichtigsten Weine von Álvaro Palacios?
Im Priorat reicht die Palette von Camins del Priorat über Les Terrasses und Finca Dofí bis zum Spitzenwein L’Ermita. Im Bierzo führt Pétalos ins Sortiment ein, an der Spitze steht La Faraona. In der Rioja sind Finca La Montesa, der Weisswein Plácet und der Einzellagenwein Quiñón de Valmira zentral.
Was zeichnet die Weine von Palacios aus?
Im Zentrum steht das Lagendenken: Der Rebberg prägt den Wein, nicht die Rebsorte. Dazu kommen autochthone Sorten, biodynamischer Anbau und reduzierte Erträge. Stilistisch hat sich Palacios von der früheren Wucht entfernt. Heute prägen Frische, Finesse und ein moderater Alkoholgehalt seine Weine über alle drei Regionen hinweg.
Wo kann man Palacios-Weine in der Schweiz kaufen?
In der Schweiz importiert Baur au Lac Vins seit 2025 das gesamte Palacios-Portfolio. Erhältlich sind die Weine in den vier Weinshops des Hauses in und um Zürich sowie im Onlineshop bauraulacvins.ch. Die hier porträtierten Weine kosten rund 18 bis 73 Franken; Spitzengewächse wie L’Ermita liegen über 200 Franken.













