Seit 1994 gehörte das St. Moritz Gourmet Festival zum Januar wie Schnee zum Engadin. Jetzt wagt es den historischen Bruch: Die 32. Ausgabe findet erstmals im Sommer statt – vom 25. bis 30. August 2026. Zehn Köche aus acht Ländern bringen 17 Michelin-Sterne ins Oberengadin, dazu neue Outdoor-Formate zwischen Feuer, Bergnatur und Fine Dining.

Vom Schnee in die Sonne – warum das Festival den Sommer wählt

Wer in den letzten drei Jahrzehnten Ende Januar nach St. Moritz reiste, kam nicht nur wegen der Pisten. Seit 1994 lockte das St. Moritz Gourmet Festival Spitzenköche aus aller Welt ins Oberengadin – ein Format, das die Region kulinarisch prägte. Aus einer Handvoll Hotelküchen wuchs eine Destination mit über 200 GaultMillau-Punkten und acht Michelin-Sternen. Rund 200 Gastköche aus über 30 Nationen kochten in dieser Zeit für mehr als 80’000 Gäste – zuletzt im Winter 2025 mit einem reinen Drei-Sterne-Line-up.

Und jetzt? Ein Bruch. Die 32. Ausgabe findet vom 25. bis 30. August 2026 statt – die erste Sommeredition überhaupt. Die Gründe sind nüchterner, als man vermuten könnte. Fabrizio Zanetti, Küchenchef des Suvretta House und Festivaldirektor, brachte es bei GaultMillau auf den Punkt: Im Sommer sei es einfacher, Gastköche und deren Teams unterzubringen, weil man nicht mit der Hochsaison konkurriere. Dazu kommt: Die Luxushotels im Engadin fahren zwischen Dezember und März längst eigene Gourmet-Programme. Ein Festival im Januar wurde zunehmend zur Konkurrenz im eigenen Haus.

Ein lebhaftes, abstraktes Blumenarrangement mit weißen, gelben, orangefarbenen und violetten Elementen auf grauem Hintergrund. Der Text lautet: St. Moritz Gourmet Festival 25.-30.08.2026. Jeder Moment hat seinen eigenen Geschmack.

Strategisch passt der Wechsel in einen grösseren Trend. Der Sommertourismus in den Schweizer Alpen wächst seit Jahren. Das Oberengadin will davon profitieren – und das Festival als kulinarischen Magneten für die warme Saison nutzen. Kommunikationschef Adriano Pirola sprach bei Falstaff von «völlig neuen Möglichkeiten, vergleichbar mit der Einführung des Festivals vor 31 Jahren». Die Winter-Edition verschwindet übrigens nicht komplett: Eine kompakte Vorschau-Ausgabe soll es weiterhin geben. Aber der Sommer wird zum Hauptformat.

17 Sterne, 8 Länder – das Chef-Line-up

Das Line-up der ersten Sommeredition liest sich wie ein Atlas der Spitzengastronomie. Zehn Köche aus acht Ländern bringen zusammen 17 Michelin-Sterne und drei Grüne Sterne mit. Auffällig: Die Veranstalter setzen nicht mehr nur auf die bekannten europäischen Namen, sondern öffnen das Spektrum.

An der Spitze stehen zwei Drei-Sterne-Köche. Kai Ho aus Taipeh dekonstruiert mit seinem Restaurant Taïrroir taiwanesische Gerichte und interpretiert sie mit französischer Präzision neu – er kocht im Badrutt’s Palace. Aus Monaco kommt Emmanuel Pilon, Küchenchef des Le Louis XV von Alain Ducasse, dessen pflanzenzentrierte Riviera-Küche im Suvretta House zu erleben ist.

Dann die Neuen auf der Festivalbühne: Álvaro Clavijo aus Bogotá führt mit El Chato das Nummer-1-Restaurant Lateinamerikas (Latin America’s 50 Best 2025) und definiert kolumbianisches Terroir in der Krone Säumerei am Inn in La Punt neu. Varun Totlani bringt mit dem Masque aus Mumbai (Platz 15, Asia’s 50 Best 2026) eine konsequent produktgetriebene indische Küche ins Kulm Hotel – sein erster Auftritt in der Schweiz. Joseph Lidgerwood, ein Australier in Seoul, erzählt im Grand Hotel des Bains Kempinski koreanische Geschichten durch westliche Technik – sein EVETT hält zwei Michelin-Sterne.

Ein belebtes Restaurant mit Holzbalken, einer großen Discokugel, mit Geweihen geschmückten Kronleuchtern und Menschen, die an Tischen essen, während im Vordergrund Köche das Essen zubereiten. An der hinteren Wand stehen Flaschen in Regalen.

Aus dem Norden reisen gleich drei Vertreter an. Das schwedische Ehepaar Nicolai und Eva H. Tram kocht in seinem Restaurant Knystaforsen – einem alten Sägewerk im Wald von Südschweden – ausschliesslich über offenem Feuer. In der Engadiner Natur gestalten sie zusammen mit Hoteldirektor und Jäger Claudio Laager vom Grand Hotel Kronenhof das neue Format «Fire, Nature & Fine Dining». Mikael Svensson aus Oslo steht mit seinem Restaurant Kontrast für saisonale nordische Küche und kocht im Grace La Margna. Der Österreicher Julian Stieger vom Rote Wand Chef’s Table in Lech – ausgezeichnet mit zwei Michelin-Sternen, 18,5 GaultMillau-Punkten und dem Michelin Young Chef Award 2025 – ist einer der spannendsten jungen Köche im Alpenraum. Er ist zu Gast im Grand Hotel Kronenhof.

Karibik trifft Mittelmeer bei Marcel Ravin: Der auf Martinique geborene Zwei-Sterne-Koch des Blue Bay in Monaco verbindet kreolische Aromen mit mediterraner Küche und kocht im Hotel Waldhaus in Sils-Maria. Der einzige Schweizer im Line-up ist Pascal Steffen aus Basel. Sein Restaurant Roots trägt zwei Michelin-Sterne und den Titel «Green Chef of the Year 2026». Seine gemüsezentrierte Küche – Fleisch und Fisch spielen nur Nebenrollen – passt in den Nachhaltigkeitsfokus dieser Ausgabe. Er kocht im Nira Alpina in Silvaplana.

Natur als Bühne – die neuen Sommer-Formate

Der Wechsel in den Sommer ist mehr als ein Datumstausch. Er verändert das Festival grundlegend. Statt Kronleuchter und Kerzenschein rücken Bergnatur, Feuer und Licht ins Zentrum.

Das Programm umfasst über 30 Events. Das vielleicht spannendste neue Format: «Fire, Nature & Fine Dining» – ein Outdoor-Lunch am Eröffnungstag, bei dem Nicolai und Eva Tram über offenem Feuer kochen, begleitet von Claudio Laager als Jäger und Gastgeber. Archaisch, präzise und mitten in der Engadiner Natur.

Am Samstagmittag verwandelt sich der Garten des Suvretta House in die Bühne für die «St. Moritz Garden Party» – ein Gemeinschaftsauftritt aller zehn Gastköche. Am letzten Festivaltag öffnen die Partnerhotels im Rahmen von «Festival Open Doors» ihre Küchen für Einheimische, Gäste und Familien – eine Geste der Zugänglichkeit, die das Festival über die Luxusnische hinaus öffnen soll.

Dazu kommt «The White Chapter» im Grace La Margna: Fine Dining, DJ-Sounds und Rieslinge des Weinguts Van Volxem begleiten Flying Snacks von Mikael Svensson. Auf der Terrasse im Lärchenwald des Hotel Waldhaus Sils erwartet dich ein lockeres Fine-Dining-Konzept mit Jazzmusik. James Baron von der Krone in La Punt gestaltet mit seinem Gastkoch die «Val Chamuera Tavolata» – ein Essen inmitten der Natur.

Die Klassiker bleiben. Die Kitchen Party im Badrutt’s Palace eröffnet das Festival am Dienstagabend, wie immer mit allen Gastköchen und ihren Teams. «Cocktails & Culinary Bites» lädt an allen Abenden in die Hotelbars. Und die Gourmet Safari – bei der du für jeden Gang das Hotel wechselst – gehört weiterhin zum Programm.

Was der Wechsel für die Schweizer Gourmetszene bedeutet

Das St. Moritz Gourmet Festival war immer mehr als eine Aneinanderreihung teurer Dinner. Es hat eine Region kulinarisch geformt. Dass es jetzt den Sommer wählt, ist ein Signal: Die Schweizer Alpen wollen auch kulinarisch ganzjährig relevant sein.

Elegantes Abendessen mit gut gekleideten Gästen, die an einem runden Tisch sitzen, Getränke genießen und sich unterhalten, umgeben von großen Blumenkränzen und warmem Kerzenlicht in einem dekorierten Bankettsaal.

Das Line-up zeigt die Richtung: internationaler, diverser, nachhaltiger. Drei der zehn Gastköche tragen einen Grünen Michelin-Stern. Die Formate bewegen sich weg vom Gala-Dinner hin zu erlebbaren Momenten in der Natur. Das passt zum neuen Motto: «Every Moment has its own Flavor».

Wer dabei sein will, sollte sich Anfang Juni den Ticketverkauf vormerken. Die neun Partnerhotels – vom Badrutt’s Palace über das Kulm Hotel bis zur Krone Säumerei am Inn – bieten das Spektrum von Palace bis Boutique. Und wer Alpenluft im August der Kälte im Januar vorzieht, hat ab diesem Jahr einen Grund mehr, ins Oberengadin zu reisen.

Auf einen Blick

Was St. Moritz Gourmet Festival 2026 – erste Sommeredition
Wann 25. bis 30. August 2026
Wo St. Moritz und Oberengadin (9 Partnerhotels)
Gastköche 10 Köche aus 8 Ländern, 17 Michelin-Sterne, 3 Grüne Sterne
Highlights Kitchen Party, Fire Nature & Fine Dining, Garden Party, Gourmet Safari, Festival Open Doors
Tickets Verkaufsstart Anfang Juni 2026
Hotels Badrutt’s Palace, Kulm Hotel, Suvretta House, Grand Hotel Kronenhof, Grand Hotel des Bains Kempinski, Grace La Margna, Hotel Waldhaus Sils, Nira Alpina, Krone Säumerei am Inn
Motto «Every Moment has its own Flavor»
Website stmoritz-gourmetfestival.ch

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein