Branchen-News Getränkebranche April 2026: Bier-Showcase, Weinwende, Nestlé-Umbau

Branchen-News Getränkebranche: Mehrere Personen stoßen an einem Tisch mit Snacks mit Biergläsern an. Das Bild ist mit dem Text April 2026 und Branchen-News auf Deutsch überlagert.

Der April bringt eine dichte Folge von Branchenereignissen: Mit dem Swiss Beer Award und dem Tag des Schweizer Bieres rückt die Brauwirtschaft ins Schaufenster, während neue Marktzahlen einen weiter schrumpfenden Biermarkt belegen. In der Weinbranche übernimmt Pierre-Alain Bapst die Leitung von Swiss Wine Promotion inmitten einer Konsumkrise, und die Deutschschweizer Winzerbetriebe laden zu den Tagen der offenen Weinkeller. International beschleunigt Nestlé unter CEO Philipp Navratil den Konzernumbau, und im Spirituosensegment könnten Pernod Ricard und Brown-Forman einen neuen Riesen formen. Hier die Branchen-News der Getränkebranche für den Monat April 2026.

Swiss Beer Award 2026: 165 Biere aus 87 Brauereien ausgezeichnet

Am 16. April 2026 wurde in den Trafohallen Baden die fünfte Award-Night des Swiss Beer Awards gefeiert. Von 531 eingereichten Bieren aus der Schweiz und Liechtenstein erhielten 165 Biere in 43 Kategorien eine Prämierung in Anthrazit, Bronze, Silber oder Gold. 87 Brauereien nahmen teil, eine 100-köpfige Jury aus Biersommeliers, Braumeisterinnen und Bier-Sensorikern verkostete die Einreichungen am 20. und 21. Januar 2026 in Baden. Laut Christoph Lienert, Projektleiter des Awards und stellvertretender Direktor des Schweizer Brauerei-Verbands, zeigten die Resultate «dass in allen Landesteilen der Schweiz hervorragende Biere gebraut werden». Marcel Kreber, SBV-Direktor, ordnet ein: «Nur die besten 30 Prozent der eingereichten Biere wurden ausgezeichnet.» Besonders stark schnitten Ostschweizer Häuser ab: Brauerei Locher aus Appenzell sicherte sich 16 Auszeichnungen, und Sonnenbräu aus Rebstein gewann Gold für das beste alkoholfreie Lagerbier der Schweiz.

Zur offiziellen Gewinnerliste auf swissbeeraward.ch

Ein Mann im Anzug mit roter Schleife und Medaillon spricht auf der Bühne in ein Mikrofon und hält Papiere in der Hand. Eine Frau in einem schwarzen Kleid steht daneben. Auf einer Projektionsfläche hinter ihnen wird Text angezeigt.

Biermarkt Schweiz schrumpft um 1,8 Prozent – alkoholfreies Bier legt zweistellig zu

Die Schweizer Brauwirtschaft steht weiter unter Druck. Im Braujahr 2024/25 (per Ende September) ging der Bierabsatz inklusive alkoholfreier Biere um 1,8 Prozent auf 4,72 Millionen Hektoliter zurück, wie der Schweizer Brauerei-Verband SBV in seinen aktualisierten Kennzahlen mitteilt. Der Rückgang ist kein Ausreisser: Bereits 2023/24 schrumpfte der Markt um 1,6 Prozent. Der SBV verweist auf strukturelle Verschiebungen, besonders in der Alterskohorte der 14- bis 29-Jährigen, die seltener an Festen und in Clubs zu finden sei. Gegenläufig die Entwicklung bei den alkoholfreien Bieren: Ihr Ausstoss wuchs um rund 12 Prozent und spiegelt den breiteren Trend zu bewusstem Konsum. Der Pro-Kopf-Konsum liegt nach Verbandsangaben um 50 Liter – historisch tief. Zum Tag des Schweizer Bieres am 24. April 2026 hat der SBV die Infografiken mit den Marktzahlen zum Datenjahr 2025 aktualisiert und in drei Sprachen publiziert.

Marktzahlen und Infografiken des SBV

Tag des Schweizer Bieres: Brauereien öffnen am 24. April die Tore

Am Freitag, 24. April 2026, steht die Schweiz im Zeichen des Bieres. Der Tag des Schweizer Bieres findet traditionell am letzten Freitag im April statt und wird 2026 von zahlreichen Mitgliedsbrauereien des Schweizer Brauerei-Verbands sowie weiteren unabhängigen Häusern begangen. Das Programm reicht von Degustationen über Brauereibesichtigungen bis zu geselligen Anlässen rund ums Schweizer Bier, wie der SBV in seiner Medienmitteilung vom 20. April 2026 festhält. Der Tag ist kein offizieller Feiertag, aber längst ein fester Termin im Kalender der Bierfreundinnen und Bierfreunde. Parallel zur Aktion hat der Verband den Fokus auf die Vielfalt der Szene gelegt: Rund 600 Qualitätsbiere stehen laut SBV für die Schweizer Brauwirtschaft, die am 19. April 2026 ihren 149. Geburtstag feierte. Die Übersicht über alle Aktivitäten findet sich unter tagdesbieres.ch.

Programm und Teilnehmerliste auf tagdesbieres.ch

Pierre-Alain Bapst führt Swiss Wine Promotion durch die Konsumkrise

Mit Pierre-Alain Bapst hat seit 1. März 2026 ein neuer Direktor die Leitung von Swiss Wine Promotion übernommen. Der bisherige Geschäftsführer von Terroir Fribourg, der die kantonale Vermarktungsorganisation neun Jahre lang geprägt hat, folgt auf Nicolas Joss, der die nationale Weinvermarkter-Agentur sechs Jahre geführt hatte. Der Wechsel fällt in eine angespannte Phase: Der Konsum von Schweizer Wein ist laut Bundesamt für Landwirtschaft 2024 um 16 Prozent eingebrochen, der Gesamtweinkonsum um 8 Prozent. An einer ausserordentlichen Generalversammlung vom 1. Dezember 2025 in Bern hatte der Verwaltungsrat neben der Personalie auch die Strategie 2026–2029 vorgestellt, wie htr.ch berichtet. Bapst soll die Kommunikation stärker auf jüngeres Publikum ausrichten, lokale Konsumkultur und heimische Werte in den Vordergrund rücken und das Profil der Marke «Swiss Wine» sowohl im Inland als auch auf Exportmärkten schärfen.

Mehr dazu auf htr.ch

Tage der offenen Weinkeller: 240 Deutschschweizer Betriebe laden am 1. bis 3. Mai

Vom Freitag, 1. Mai, bis Sonntag, 3. Mai 2026 öffnen über 240 Winzerbetriebe in der Deutschschweiz ihre Keller für die Tage der offenen Weinkeller. Auf dem Programm stehen Degustationen, Kellerführungen, Rundgänge und lokale Spezialitäten, wie das Team der offenen Weinkeller in seiner Einladung mitteilt. Die Veranstaltung soll die gestiegene Qualität des Deutschschweizer Weinbaus sichtbar machen: Zahlreiche Tropfen aus Schaffhausen, Zürich, Graubünden, dem Thurgau, dem Aargau sowie den weiteren Deutschschweizer Anbaugebieten erreichen laut Organisation längst internationales Niveau. Die Aktion ist zugleich der wichtigste direkte Kontakt zwischen Produzentinnen, Produzenten und Publikum in der Deutschschweiz – und fällt in eine Phase, in der die Weinbranche auf Konsumrückgänge reagieren muss. Das vollständige Programm mit teilnehmenden Betrieben ist auf der offiziellen Plattform der Offenen Weinkeller verfügbar.

Programm auf offeneweinkeller.ch

Eine Weinhandlung mit Regalen voller Wein-, Sekt- und Spirituosenflaschen. Auf der Theke stehen eine Weidenvase mit Grünzeug und eine Geschenkbox. Ein Schild mit der Aufschrift "The Art of Wine Selection" steht über den Regalen.

Baur au Lac Vins erweitert Spanien-Portfolio um vier Weingüter

Der Zürcher Weinhändler Baur au Lac Vins baut seine Spanien-Kompetenz gezielt aus. Neu ins Sortiment aufgenommen werden Bodegas Zárate aus der Region Rías Baixas (Galicien) mit puristischen Albariños aus bis zu 100-jährigen wurzelechten Reben, Bodegas Antídoto aus Soria mit Rotweinen aus kleinen Parzellen und Reben bis 1000 Höhenmetern, Finca Montepedroso aus Rueda mit 100 Prozent Verdejo sowie Dominio de Es aus dem Dorf Atauta in Soria mit biodynamisch bewirtschafteten Kleinstparzellen. Mit der Erweiterung umfasst das spanische Sortiment nun über 100 Weine aus neun Anbaugebieten, wie das Unternehmen in einer Medienmitteilung mitteilt. «Spanien ist für uns ein Land voller Entdeckungen und Überraschungen», sagt Geschäftsführer Marc Almert. Die Zugänge decken das Spektrum zwischen etablierten Namen wie Álvaro Palacios und kleinen Boutique-Weingütern ab und reflektieren Baur au Lacs Strategie, das seit 1844 geführte Haus als Spezialist für spanische Weine zu positionieren.

Pressemitteilung von Baur au Lac Vins

Valser mit neuem Flaschendesign ab Mitte April

Die Marke Valser (Coca-Cola HBC Schweiz) präsentiert sich ab Mitte April 2026 mit einem neuen Label. Sämtliche Glas- und PET-Flaschen zeigen neu das Zervreilahorn oberhalb von Vals sowie eine Schweizer Flagge und rücken damit die alpine Herkunft aus den Bündner Bergen stärker ins Zentrum. Die charakteristische Flaschenform bleibt laut Herstellerangaben unverändert, wie persoenlich.com und Moneycab berichten. Das Redesign erstreckt sich auf alle Varianten – von Sparkling über Still bis Calcium+Magnesium – und ist in Gastronomie wie Detailhandel sichtbar. Verantwortlich zeichnet die Agentur Pharus Design. Der Schritt ist weniger ein Produktrelaunch als eine Nachschärfung der Premium-Positionierung: minimalistischer Auftritt, klarere Herkunftsbetonung, stärkere Abgrenzung im zunehmend kompetitiven Mineralwassermarkt. Für Coca-Cola HBC Schweiz, die Valser 2002 vom lokalen Eigentümer übernommen hatte, ist es der sichtbarste Markenauftritt seit der Lancierung der etikettlosen PET-Flasche.

Berichterstattung auf persoenlich.com

Ein Just-Eat-Lieferant mit orangefarbener Jacke und Helm steht neben einem orange-weißen Fahrrad und legt eine Papiertüte in eine isolierte Lieferbox vor einer Migros-Filiale.

Just Eat und Migros starten Quick Commerce mit 10’000 Artikeln

Ab dem 4. Mai 2026 sind über 10’000 Artikel der Migros exklusiv auf der App von Just Eat Schweiz verfügbar. Der operative Rollout fokussiert auf die Genossenschaften Migros Genf, Wallis und Tessin; die Lieferung erfolgt innert 60 Minuten und im Umkreis von 12 Kilometern zu regulären Ladenpreisen inklusive laufender Aktionen. Migros-Fachpersonal kommissioniert die Bestellungen in den Filialen, die fest angestellte und nach Schweizer Arbeitsrecht versicherte Just-Eat-Kurierflotte übernimmt die Zustellung per Auto, E-Bike oder Fahrrad, wie aus der gemeinsamen Medienmitteilung vom 20. April 2026 hervorgeht. «Kaum eine Marke ist so tief in der Schweizer Kultur verankert wie die Migros», sagt Lukas Streich, Geschäftsführer von Just Eat Schweiz. Für die Migros, deren frühere Online-Liefer-Experimente (MigrosHome, etc.) teils als Flops endeten, ist es der neue Anlauf in den Quick-Commerce-Markt. Im Getränkebereich bedeutet die Partnerschaft einen zusätzlichen Vertriebskanal für Sortimente wie Aproz, Farmer, M-Classic-Weine und alkoholfreie Spezialitäten.

Meldung auf SWI swissinfo.ch

Nestlé startet Verkauf der Wassersparte – Perrier und San Pellegrino auf dem Markt

Der Veveyer Konzern Nestlé hat im ersten Quartal 2026 den formellen Verkaufsprozess für seine Wasser- und Premium-Getränkesparte angestossen. Zum Portfolio gehören die Marken Perrier, S.Pellegrino, Acqua Panna, Vittel und Contrex; der Unternehmenswert wird laut Bloomberg auf rund 5 Milliarden Euro beziehungsweise bis zu 5,75 Milliarden Dollar geschätzt. Erste Gebote wurden bereits im Januar 2026 eingeholt, als Interessenten wurden unter anderen die Private-Equity-Häuser Blackstone, KKR und Bain Capital gehandelt. Nestlé hat zudem die Deutsche Bank als zusätzlichen Berater mandatiert und prüft parallel auch eine Teilveräusserung von 50 Prozent, wie FoodBev und Food Manufacture berichten. Die Dekonsolidierung soll ab 2027 greifen. Die Sparte war per 1. Januar 2025 unter Muriel Lienau als eigenständige Einheit ausgegliedert worden. Für den Schweizer Handel steht damit die Frage im Raum, wie sich die Premium-Mineralwässer unter neuem Eigentümer positionieren – und ob eine Verschiebung der Distributionsverhältnisse gegenüber heimischen Marken wie Valser, Rhäzünser oder Henniez ansteht.

Bloomberg-Bericht zum Verkaufsprozess

Pernod Ricard und Brown-Forman prüfen Fusion zum neuen Spirituosen-Schwergewicht

Der französische Konzern Pernod Ricard und der US-amerikanische Whiskey-Spezialist Brown-Forman haben Anfang April 2026 offizielle Fusionsgespräche bestätigt. Ein Zusammenschluss würde eine Gruppe mit rund 26 Milliarden Euro Börsenkapitalisierung entstehen lassen und damit näher an Marktführer Diageo (rund 35 Milliarden Euro) heranrücken, wie Beverage Daily analysiert. Die beiden Häuser ergänzen sich komplementär: Pernod Ricard verfügt über ein breites Portfolio mit Absolut, Chivas Regal, Havana Club, Martell und Jameson; Brown-Forman bringt Jack Daniel’s, Woodford Reserve und Herradura ein. Pernod Ricard meldete gleichzeitig für das dritte Fiskalquartal 1,945 Milliarden Euro Umsatz bei einem organischen Wachstum von 0,1 Prozent – und damit über den Analystenerwartungen. Für den Schweizer Markt ist die Entwicklung relevant: Beide Konzerne haben hierzulande eine starke Präsenz in Gastronomie und Detailhandel, eine Fusion würde das Verhältnis zu Importeuren, Distributoren und Markeninvestitionen neu ausloten und könnte die Bewegung im Premium-Spirituosen-Segment beschleunigen.

Analyse bei Beverage Daily

Häufige Fragen

Warum schrumpft der Schweizer Biermarkt, obwohl die Brauvielfalt wächst?

Der Rückgang ist strukturell bedingt. Jüngere Generationen trinken weniger Alkohol, Festivitäten und Clubbesuche bei den 14- bis 29-Jährigen haben deutlich abgenommen. Gleichzeitig sind die Produktionsbedingungen und Preisstrukturen anspruchsvoller geworden. Der Swiss Beer Award und neue Stile können diese strukturelle Erosion nicht aufhalten, bringen aber Sichtbarkeit für Qualität und Handwerk – und genau dort wächst auch das alkoholfreie Segment zweistellig.

Was bedeutet der Direktorenwechsel bei Swiss Wine Promotion konkret?

Pierre-Alain Bapst übernimmt die nationale Weinpromotions-Agentur in einer der schwierigsten Phasen der jüngeren Branchengeschichte. Der Schweizer Weinkonsum ist 2024 um 16 Prozent eingebrochen. Mit der Strategie 2026–2029 soll die Kommunikation jünger, lokaler und stärker wertebasiert werden. Erwartet werden neue Kampagnenformate für den Inlandmarkt sowie gezielte Exportinitiativen, nachdem das bisherige Modell an Wirkung verloren hat.

Wie wirkt sich der Nestlé-Verkauf auf den Schweizer Markt aus?

Perrier, San Pellegrino und Vittel sind in der Schweiz fester Bestandteil von Gastronomie und Detailhandel. Unter einem neuen Eigentümer – vermutlich einem Finanzinvestor – könnten sich Preisgestaltung, Marketinginvestitionen und Distributionsstrategie ändern. Für Schweizer Marken wie Valser, Rhäzünser, Henniez und Adelbodner bedeutet das möglicherweise eine Verschiebung der Konkurrenzdynamik, insbesondere im Premiumsegment und in der Gastronomie.

Warum ist die Partnerschaft zwischen Just Eat und Migros für die Getränkebranche relevant?

Weil Getränke einen substanziellen Anteil des Online-Einkaufs ausmachen und bei Lieferdiensten besonders gefragt sind. Mit 10’000 Artikeln und Lieferung innert einer Stunde öffnet sich ein neuer Vertriebsweg für Migros-Eigenmarken wie Aproz und Farmer, aber auch für Fremdmarken im Kühlbereich. Für Produzenten und Importeure ist entscheidend, ob und wie sie via Just Eat sichtbar werden – und zu welchen Konditionen.

Was würde eine Fusion von Pernod Ricard und Brown-Forman für die Schweizer Bar- und Restaurantszene bedeuten?

Eine fusionierte Gruppe vereinte Marken wie Absolut, Jameson, Jack Daniel’s und Woodford Reserve in einem Portfolio. Für die Schweizer Gastronomie hiesse das: weniger Vertragspartner, potenziell stärker gebündelte Listungen und eine verschärfte Verhandlungssituation bei Grosshändlern. Für die Wettbewerber – allen voran Diageo – bedeutete es, dass das Premium-Spirituosensegment nochmals enger und investitionsintensiver wird, mit Folgen für Marketingbudgets und Markenpräsenz.

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