Grappa – Vom Bauernschnaps zur Edelspirituose

Bis heute sind es die vier Hauptgebiete Friaul, Venetien, Aosta­-Tal und Pie­mont, welche für hochstehende Grappas stehen.

Das typische Grappaglas
Grappa gehört un­weigerlich zu Italien, gleich wie Prosecco, Pizza und Pasta.

Pizza, Pasta, Prosecco… und Grappa. Der Weinbrand wird oft im gleichen Atemzug wie andere italienische Spezialitäten genannt. Verdientermassen? Zumindest was seine Geschichte angeht absolut.

Mindestens 37,5 Volumenprozent muss er haben, höchstens aber 70. Einzig aus der direkten Destillation des Tresters darf er sein. Und ausschliesslich aus Italien kommen. 1989 wurde letzteres innerhalb der EU be­schlossen. Seither ist gesetzlich verankert, was längst alle wussten: Grappa gehört un­weigerlich zu Italien, gleich wie Prosecco, Pizza und Pasta. Wie aber kam es so weit?

Eines der ältesten Destillate der Welt

Grappa gilt als eines der ältesten Destillate der Welt. Um das 11. Jahrhundert kam die Destillationstechnik nach Italien. Die ers­ten Erwähnungen über die Destillation von Weinen findet man im 13. Jahrhundert. Aus dem Jahr 1451 stammt das erste Doku­ment, in dem von „Grappa“ gesprochen wird. Bereits im 16. Jahrhundert wird Grappa auch ausserhalb Italiens gehandelt. Trotz­dem gilt Grappa lange Zeit als „Bauern­schnaps“ oder „Armeleuteschnaps“. Grund dafür war eine Regel, die besagte, dass es einzig den Bauern erlaubt ist, ohne weitere Bewilligung Trester für den Eigengebrauch zu brennen. Dies trug erst Mal weniger zur Verbreitung des Grappas weltweit, vielmehr aber zu dessen Verwurzelung in der italieni­schen Bevölkerung bei. Verstärkt wurde dies durch die Tatsache, dass der Grappa dem weit verbreiteten Grundsatz entsprach: Nichts wird weggeworfen, alles wieder ver­wendet. Besonders in den ländlichen, typi­schen Weinanbaugebieten Friaul und Veneti­en kam dies gut an, konnte doch aus den Resten der edlen Weintrauben ein willkom­menes Zusatzprodukt gewonnen werden, das auch für die einfache Bevölkerung er­schwinglich war.

Grappaflaschen in einem Restaurant
Grappaflaschen in einem Restaurant.

Grappa entsteht aus „Weinabfällen“

Der Grundsatz der „Restenverwertung“ ist bis heute gleich geblieben. Auch wenn es auf den ersten Blick etwas abwertend klingt: Für den Grappa werden gesetzlich vorgeschrie­ben eigentlich nur „Wein­abfälle“ verwen­det, nämlich der Traubentrester. Als solchen bezeichnet man die Rückstände der für den Wein gepressten Weintrauben. Der Grappa unterschei­det sich dabei insofern von den meisten anderen Tres­terbränden, als nur die direkte Destillation von Trau­benresten zur Herstellung erlaubt ist. Es darf also beispielsweise kein Wein weiterverarbeitet werden, was die Herstellung zwar komplizierter macht, aber den Charakter des Grappas prägt.

Grappas, bei denen das Frucht­aroma der Traube aromatisch im Vordergrund steht, sind besonders beliebt.

Grappa ist aber alles andere als ein Abfallprodukt. Über viele Generationen hinweg wurden die Techni­ken verbessert. Aus dem einstmals so einfachen Schnaps wurde mit der Zeit eine gefragte Spezialität – national wie international – geprägt von der Qualität der italienischen Weintrauben. Bis heute sind es die vier Hauptgebiete Friaul, Venetien, Aosta­-Tal und Pie­mont, welche für hochstehende Grappas stehen. Aber auch andere halten mit, denn hergestellt wird die ita­lienische Spezialität natürlich längst in ganz Italien. Das Spannende dabei: Die regionalen Unterschiede der Weine finden sich auch in den Grappas wieder.

Was macht einen guten Grappa aus?

Im Grund­satz muss das jeder Geniesser natürlich für sich selber entscheiden. Ein Anhaltspunkt auf der Suche nach dem persönlichen Favoriten kann die Traubensorte sein. So sind dann auch Grappas, bei denen das Frucht­aroma der Traube aromatisch im Vordergrund steht, besonders beliebt. Um dies zu erreichen, wird von Vor­teil fast frischer Trester verwendet, so dass noch genü­gend Feuchtigkeit vorhanden ist. Ist der Trester bereits zu trocken, hinterlässt dies später beim Geniessen oft ein brennendes Gefühl auf der Zunge. Es ist aber längst nicht mehr nur die Traube, die den Charakter prägt. Nicht selten lagern Grappas auch lange im Holzfass, mit entsprechenden Einflüssen auf deren Aroma. Hier ist für den Geniesser ausprobieren angesagt.

Hinweise zur Ausprägung des Grappas geben diese Kennzeichnungen:

Giovane: Ein junger Grappa, der meist direkt abgefüllt wurde, ohne z.B. in Holzfässern gela­gert zu werden
Affinata: Mindestens 6 Monate im Holzfass oder 12 Monate in unterschiedlichen Behältern gelagert
Invecchiata: Mindestens ein Jahr im Holzfass gelagert
Riserva: Mindestens 18 Monate im Holzfass gelagert
Vitigno Unico: Grappa aus sortenreiner Destil­lation einer Traubensorte (z.B. Moscato, Char­donnay)
Blend: Trester verschiedener Traubensorten oder verschiedene Destillate gemischt
Aromatizzata: Grappa mit Zugabe einer Kräu­terinfusion, z.B. Grappa mit Enzian. Oft nur regional direkt in Italien erhältlich.

Werbung