Marcel Kreber: „Ich verstehe meinen Einsatz als Engagement für die ganze Braubranche“

Marcel Kreber ist Direktor des Schweizerischen Brauerei-Verbandes

Dem 1877 gegründeten Schweizer Brauerei-Verband (SBV) gehören aktuell 17 schweizerische Brauerei-Unternehmen mit einem Mindestausstoss von 2000 hl pro Jahr an. Zu seinen Aufgaben gehört unter anderem die Wahrung und Förderung der Interessen seiner Mitglieder in Gesellschaft, Politik und Medien. Drinks-and-more.ch sprach mit Marcel Kreber, dem Direktor des Schweizerischen Brauerei-Verbandes.

Drinks-and-more.ch: Herr Kreber, wer sind Sie?

Marcel Kreber: Ich bin ein Familienmensch und engagierter Vertreter der Anliegen der Getränkebranche. Von Haus aus bin ich Jurist und arbeitete direkt nach dem Studium drei Jahre im Generalstab im Bereich Sicherheitspolitik. Danach war ich beim Verband der Schweizerischen Gasindustrie für Public Affairs verantwortlich. Ich bin jemand, der immer sehr von dem überzeugt ist, was er tut. Anfang 2008 habe ich dann die Stelle als Direktor des Brauerei-Verbandes übernommen und in den folgenden Jahren bis heute – zusammen mit dem Verband Schweizerischer Mineralquellen und Soft-Drink Produzenten (SMS) und dem Schweizerischen Verein für umweltgerechte Getränkeverpackungen (SVUG) – eine Art Kompetenzzentrum für die Getränkebranche aufgebaut.

Welches sind Ihre Hauptaufgaben als Direktor des Schweizerischen Brauerei-Verbandes?

Marcel Kreber: Der Brauerei-Verband ist schwerpunktmässig zuständig für die ganze Lernenden-Ausbildung im Bereich Lebensmitteltechnologie mit Schwerpunkt Bier. Wir betreuen und koordinieren somit die Ausbildung zum Bierbrauer schweizweit, also nicht nur für unsere Mitglieder, sondern auch für Brauereien, die nicht unserem Verband angehören. Dann gehört natürlich die Bereitstellung und Aufarbeitung von Statistiken, die Interessenvertretung gegenüber der Politik und den Behörden und Public Relations einschliesslich der Medienbetreuung zu meinen Aufgaben.

Welche Hauptzwecke verfolgt der Schweizerische Brauerei-Verband?

Marcel Kreber: Grundsätzlich geht es darum, dass sich unsere Brauereien auf das, was sie seit Jahrhunderten machen – nämlich Bier brauen – konzentrieren können. Aufgabe des Verbandes ist es dabei, für die dafür notwendigen Rahmenbedingungen auf politischer, gesellschaftlicher und gesetzlicher Ebene zu sorgen.

Der Schweizerische Brauerei-Verband zählt zurzeit 17 Mitglieder. Mitglied können jedoch nur Brauereien mit einem jährlichen Bierausstoss von mehr als 2’000 Hektolitern werden. Warum diese Restriktion?

Marcel Kreber: Bei unseren Mitgliedern handelt es sich um Brauereien mit professionellen Strukturen und zum Teil langjähriger Tradition, die auch Berufsleute ausbilden. Wir haben zurzeit 512 registrierte Braustätten in der Schweiz. Diese Zahl muss man aber relativieren, denn eigentlich ist jeder, der Bier braut und dieses verkauft oder gratis abgibt, verpflichtet, Biersteuer zu bezahlen und wird somit durch die Oberzolldirektion ins Register der Bierbrauereien aufgenommen. Von den genannten 512 Brauereien stossen 43 mehr als 1’000 Hektoliter pro Jahr aus und diese stehen für 99,2 Prozent des gesamten schweizerischen Bierausstosses.

In der Schweiz gibt es zurzeit 512 Brauereien aber nur 17 sind im Brauerei-Verband organisiert. Ist der Brauerei-Verband nicht eher ein Interessenvertreter der Grossen im Biergeschäft?

Marcel Kreber: Nein, das ist nicht der Fall. Wenn wir Interessenvertretung machen, zum Beispiel wie jetzt gerade im Zusammenhang mit Mindestpreisen für Bier oder die Einschränkung der Verkaufszeiten von Alkohol, dann setze ich mich nicht nur für unsere Mitglieder ein, sondern für die gesamte Bierbranche. Darum verstehe ich meinen Einsatz als Engagement für die ganze Braubranche, obwohl ich meinen Lohn ja von den 17 Mitgliedern des Brauerei-Verbandes erhalte.

Gibt es aber nicht doch einen gewissen Interessenkonflikt, wenn man den Trend zu immer mehr kleinen, trendigen Brauereien betrachtet, die am Umsatz der grossen knabbern?

Marcel Kreber: Klar gibt es immer mehr kleine Brauereien mit interessanten Bierkreationen, aber das belebt den Wettbewerb und die ganze Branche. Man muss Folgendes sehen: Wir stellen seit rund 16 Jahren einen jährlich gleichbleibenden Bierkonsum der Schweizer Bevölkerung von plus minus 57 Litern pro Kopf fest. Damit ist klar, dass sich da Marktanteile leicht verschieben. Was sich jetzt aber abzeichnet ist, dass der Erfolg der kleinen Brauereien mit ihren innovativen Produkten auch die Grossen der Branche zu Innovationen anspornt. Das zeigt sich daran, dass zum Beispiel die Brauerei Müller ein Pale Ale lanciert und auch Feldschlösschen mit neuen Bierkreationen überzeugt. Natürlich haben grosse Brauereien mehr Möglichkeiten in der Werbung und können zum Beispiel im Fernsehen Werbespots schalten. Damit stärken sie aber nicht nur ihre Marke, sondern machen allgemein Werbung für Bier, was den Kleinbrauereien auch zugute kommt. Klar ist, dass unsere Brauereien für Bier-Vielfalt stehen, denn sonst würden sie auch nicht die Ausbildung von Schweizer Bier-Sommeliers unterstützen. Diesen Kurs bieten wir in enger Zusammenarbeit mit GastroSuisse seit 2011 sehr erfolgreich an.

Die Brauerei-Szene hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Der Trend geht in Richtung kleiner Brauereien und Craft-Bieren, handwerklich gemachten Spezialbieren, die sich im Geschmack von der Massenware unterscheiden. Unterstützen Sie diesen Trend?

Marcel Kreber: Ich muss da etwas richtigstellen: In den USA darf man ein Bier Craft-Bier nennen, wenn der jährliche Ausstoss der Brauerei weniger als 6 Millionen Hektoliter beträgt. Das ist mehr als der gesamte schweizerische Konsum pro Jahr. Nach dieser Definition wären somit alle Brauereien in der Schweiz Craft-Bier-Brauereien. Somit kann die Definition nicht nur von der Grösse der Brauerei abhängig gemacht werden. Craft ist für mich, wenn eine Brauerei den Mut hat, etwas anderes, aussergewöhnliches zu machen. Wenn mit Herzblut Innovationen gebraut werden. Das finde ich extrem spannend und das ist für mich Craft-Bier.

Kleinbrauer haben es vor allem in der Gastronomie oft schwer, Absatzkanäle zu finden. Noch immer existieren Bierverträge, die es den Wirten kaum erlauben Fremdbiere ins Sortiment zu nehmen. Was halten Sie von dieser Praxis?

Marcel Kreber: Das hat mit Angebot und Nachfrage zu tun. Grundsätzlich wird niemand gezwungen, einen Vertrag abzuschliessen. Und je finanziell unabhängiger ein Wirt ist, desto weniger braucht er einen Biervertrag. Wenn nun eine Brauerei bei einem Wirt Investitionen tätigt, sei es in der Aussenbeleuchtung, dem Inventar, den Sonnenschirmen etc., dann ist klar, dass sie dafür auch Sicherheiten will. Eine Brauerei, die zum Beispiel eine Ausschankanlage installiert, hat natürlich nicht Freude, wenn der Wirt ein Bier einer anderen Brauerei darüber ausschenkt, die finanziell nichts dazu beigetragen hat.

Wie hat sich der Bierkonsum weltweit in den letzten Jahren entwickelt und wie sehen die Schweizer Zahlen im Vergleich aus?

Marcel Kreber: In der Schweiz ist der Bierkonsum schon seit einigen Jahren stagnierend. Im letzten Jahr verzeichneten wir einen leichten Anstieg von 1.3 Prozent und liegen damit auf 56.3 lt Pro-Kopfkonsum. In Europa entwickelt sich der Bierkonsum rückläufig. Der Trend gilt übrigens nicht nur für Bier, sondern für alle alkoholhaltigen Getränke. Brauereien versuchen nun neue Märkte wie zum Beispiel Asien zu erschliessen ,aber grundsätzlich ist der Markt auch international gesättigt.

Wie schätzen Sie die zukünftigen Entwicklung im nationalen Bierkonsum ein?

Marcel Kreber: Es ist vielleicht eine gewagte Prognose aber ich könnte mir vorstellen, dass es einen Aufwärtstrend gibt. Dies auch wegen der vielen kleinen, neuen Brauereien, die alte Biersorten wieder neu entdecken und mit der Bier-Vielfalt neue Kundensegmente erschliessen. Auch bei den Frauen entwickelt sich der Trend nach oben. Das merkt man auch daran, dass sich immer mehr Frauen für unsere Bier-Sommelierkurse anmelden.

Wie entwickelt sich das Geschäft in der Gastronomie im Vergleich zum Detailhandel?

Marcel Kreber: Schlecht. Es gibt Gastronomiebetriebe bei denen es wunderbar läuft. Es gibt aber auch ländliche, getränkebasierte Betriebe, die sehr stark leiden und um ihre Existenz kämpfen. Das hat einerseits sicher mit dem Rauchverbot zu tun. Viele Stammgäste bleiben heute aus, weil sie ihr Bier lieber zu Hause trinken. Diese kaufen das Bier im Detailhandel und wenn keine grosse Affinität zu einer bestimmten Marke da ist und der Preis im Vordergrund steht, dann greifen diese Konsumenten früher oder später zu einem billigen Importbier. Auf der anderen Seite stirbt die Generation der biertrinkenden Männer, die sich fast täglich am Stammtisch trafen, langsam aus. Zudem ist festzustellen, dass grundsätzlich weniger alkoholhaltige Getränke konsumiert werden.

Billigbiere – und die kommen nicht immer aus dem Ausland – drängen immer mehr auf den Markt. Was halten Sie von dieser Entwicklung?

Marcel Kreber: Hier spielt halt auch wieder das Prinzip Angebot und Nachfrage. Das heisst, es gibt ein Kundensegment, für das der Preis eine wichtige Rolle spielt. Ich muss aber sagen, dass billig hier nicht gleich weniger Qualität steht. Durch hohe Produktionsmengen können auch qualitativ hochstehende Biere günstiger angeboten werden..

Man findet mittlerweile Aktionsangebote, die preislich unter Mineralwasser liegen. Finden Sie das gesundheitspolitisch – vor allem in bezug auf den Jugendschutz – nicht problematisch?

Marcel Kreber: Grundsätzlich ist einmal festzuhalten, dass unsere Jugendlichen noch nie so wenig alkoholhaltige Getränke konsumiert haben, wie aktuell. Zudem verzeichnete der Gesamtkonsum der Bevölkerung 2013 einen erneuten Tiefststand und bestätigt den seit Jahren festzustellenden Trend des sinkenden Alkoholkonsums. Und dies, obwohl die Erhältlichkeit alkoholhaltiger Getränke noch nie so gross war. Ich bin den auch überzeugt, dass Prävention nicht mit der Giesskanne betrieben werden kann, sondern zielgruppenspezifisch sein muss. Nur, dieser Ansatz ist viel schwerer umzusetzen, als eine Allgemeinregelung, welche dann die ganze Bevölkerung gleichermassen trifft, auch diejenigen, die nicht übermässig konsumieren. Und dies ist nach wie vor die grosse Mehrheit.

Welches Bier trinken Sie am Liebsten?

Marcel Kreber: Ich habe zu Hause einen Bierkeller und trinke nach Lust und Laune. Sehr gerne habe ich gehaltevolle, charakterstarke Biere aber ich liebe auch ein kühles, blondes  Lagerbier zum Besp. nach dem Rasen mähen.

Und wenn es kein Bier ist, was dann?

Marcel Kreber: Also dann am Liebsten einen Weisswein aus dem Wallis, zum Beispiel einen Petite d’Arvine.

Herr Kreber, wir danken Ihnen für dieses informative Gespräch.

Link: www.bier.ch

 

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