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Honduras und Nicaragua: Die Länder der Trend-Zigarren

Honduras und Nicaragua: Die Länder der Trend-Zigarren

Für viele ist Kuba Inbegriff der Zigarren. Daneben gehört auch die Dominikanische Republik seit Jahren zu den wichtigsten Produktionsländern. In den letzten Jahren aber holten zwei Länder mächtig auf: Honduras und Nicaragua. Inzwischen gehören die Beiden in Sachen Zigarren zumindest zu den beliebtesten Alternativen – und gelten als Trendsetter auf dem Zigarren-Markt.

Kaum ein Land hat eine prägendere Zigarren-Tradition als Kuba. Im 15./16. Jahrhundert soll Christoph Kolumbus die ersten Zigarren aus Kuba nach Europa gebracht haben. Später fanden kubanische Zigarren ihren Weg auch in die nordamerikanischen Kolonien. Bis heute gelten kubanische Zigarren – die Havannas – als Inbegriff des hochstehenden Genusses. Dem tat auch das US-amerikanische Handelsembargo keinen Abbruch. Später dann holte auch die Dominikanische Republik auf. Zwar konnte sie sich bis heute nicht das gleiche Image wie Kuba aufbauen. Vor allem als Davidoff 1989 ihre Produktion aus Kuba in die Dominikanische Republik verlagerte, verhalf dies dem Inselstaat aber zu einem riesigen Boom. Heute sind zahlreiche bekannte Marken in der Dominikanischen Republik beheimatet: Davidoff AVO, Griffin’s, Zino Platinum, Santa ­Damiana, Asthon… Dabei machen sie den Havannas kaum Konkurrenz, denn: Aus der Dominikanischen Republik – mit einigen Ausnahmen wie zum Beispiel die Davidoff Puro d’Oro – kommen meist leichte, unkompliziertere Zigarren, während der kubanische Boden für kräftigen und aromatischen Tabak sorgt. Die beiden Zigarrenländer bedienen entsprechend ein unterschiedliches Publikum. Konkurrenz erhalten die beiden Marktleader aber immer häufiger aus Nicaragua und Honduras. „Sehr viele Leute haben in den letzten Jahren auf Zigarren aus Nicaragua gewechselt“, bestätigt Urs Portmann, der zusammen mit seiner Frau und den zwei Söhnen Tabakfachgeschäfte in Kreuzlingen und St. Gallen führt.

Kein einfacher Start

Nicaragua und Honduras hatten es neben den Gross­produzenten aus Kuba und der Dominikanischen Republik nicht immer einfach. In Nicaragua siedelten sich die ersten grösseren Zigarren-Produzenten ab 1959 an, als in Kuba die Revolution begann und ­Produzenten auf andere Länder auswichen. Zwanzig Jahre später kam es in dem mittelamerikanischen Land aber ebenfalls zu einer Revolution, die in Landenteignungen gipfelte und damit viele Produzenten wieder vertrieb. Einige Zigarren aber blieben auf dem Markt. Im Tabakfachgeschäft von Urs Portmann hielten die nicaraguanischen Zigarren in den 70er-Jahren Einzug, erinnert er sich. Erst ab Anfang der 90er-Jahre nahm die Produktion in Nicaragua wieder richtig Fahrt auf, auch was die Qualität anbelangt. ­Inzwischen ist das mittelgrosse Land qualitativ und aromatisch nahe an Kuba dran. Je nach Mischungen – teilweise auch mit Tabak aus anderen Ländern – finden sich zwar vereinzelt auch weiche, feine Aromen. Hauptsächlich sorge der Boden aber für kräftigen, volumenreichen Tabak, sagt Portmann.

Zigarren werden von Hand gerollt.Grössere Bandbreite in der Auswahl als Kuba

Von der Auswahl her bietet Nicaragua teilweise sogar eine grössere Bandbreite als Kuba. Zu den bekanntesten Marken gehören beispielsweise Flor de Nicaragua, ­Olivia, Per Domo oder Joya de Nicaragua, welche bezüglich Qualität den Havannas fast ebenbürtig ist. Aber eben nur fast, betont Urs Portmann. „Kuba ist und bleibt vom Boden her einfach einzigartig, was Geschmack und Aroma anbelangt.“ Trotzdem wurde die Zigarre aus Nicaragua ab 2002 immer häufiger als Ersatz für kubanische Zigarren gewählt. „Grund dafür waren vor allem Qualitätsprobleme im Zugverhalten der Havannas, während aus Nicaragua konstant gute Qualität zur Verfügung stand“, erklärt Portmann. Inzwischen habe sich dies wieder etwas beruhigt. Und trotzdem bleiben die Zigarren aus Nicaragua gefragt. Das Land gehöre nun mal zu einem der einzigen, das bezüglich Aroma und Stärke den Kubanern das Wasser reichen könne, weiss Portmann. Wenn ein Havannas­Liebhaber einmal etwas Abwechslung suche, lande er entsprechend bald einmal in Nicaragua. Besonders beliebt bei seinen Kunden sei zurzeit die Marke Casa de Torres mit ihren nicht allzu kräftigen aber schön aromatischen Zigarren, erklärt Urs Portmann. Spannend sind auch die zahlreichen Neuheiten aus Nicaragua, die den Schweizer Markt Jahr für Jahr erreichen. „Sehr gut angekommen ist beispielsweise die Nicaragua-Linie von Davidoff, die 2013 eingeführt wurde.“

Auswanderer aus Kuba fachten die Zigarrenproduktion an

Während Nicaragua die Alternative für Kuba ist, bietet Honduras Optionen für Zigarren aus der Dominikanischen Republik. Ähnlich wie in Nicaragua waren es auch in Honduras Auswanderer aus Kuba, welche die Zigarren-Produktion erst richtig anfachten, auch wenn schon viel früher Tabak angebaut wurde. Die ­kubanische Revolution brachte aber zahlreiche Produzenten nach Honduras, und mit ihnen auch kubanisches Saatgut. Die Böden in Honduras, vor allem rund um Danli und das Ulla-Tal, sind sehr fruchtbar und mineralhaltig, ideal für den Tabakanbau. Lange Zeit gab es in Honduras aber ein Gesetz, das es verbot, ausländischen Tabak bei der Herstellung von Zigarren zu verwenden. Erst als dieses Mitte der 1970er-Jahre abgeschafft wurden und die Mischung mit anderem Tabak den Zigarren aus Honduras einen etwas würzigeren Charakter verlieh, nahmen Produktion und Exporte zu. Als sich 1977 Zino Davidoff mit der neu geschaffenen Marke Zino in Honduras ansiedelte, nahm die weltweite Erfolgswelle seinen Lauf.

TabakernteZwar finden sich auch in Honduras kräftige Zigarren, der typische honduranische Tabak aber ist eher mild mit einem floralem Aroma. Typisch sei auch oft eine leichte Süsse, erklärt Zigarren-Experte Portmann. Und: „Im Vergleich zu gewissen Zigarren aus der ­Dominikanischen Republik haben Zigarren aus Honduras seltener ein Gras-Aroma.“ Dies, und die sehr gute Machart mit sauberem Abbrand, mache sie zu einem beliebten Alternativ-Produkt. Zu einer der bekanntesten Marken aus Honduras gehört Flor de ­Selva. Wie meist bei honduranischen Zigarren stammt der Tabak der Flor de Selva-Zigarren aber nicht alleine aus Honduras, sondern auch aus Nicaragua und Ecuador. Insgesamt liessen sich die Flor de Selva-Zigarren als sehr blumig und nicht allzu kräftig beschreiben, meint Portmann. Andere bekannte Marken aus Honduras sind Flor de Copan, Camacho oder Maria Mancini, die sogar im Roman „Der Zauberberg“ von Thomas Mann verewigt wurde. Und gleich wie aus Ecuador erreichen die Schweiz auch aus Honduras jedes Jahr ­wieder spannende Neuheiten, die zu überraschen vermögen.

Der Grossteil kommt immer noch aus Kuba

Aber laufen Länder wie Honduras oder Nicaragua den Leadern Kuba und Dominikanische Republik den Rang ab? Wenn es rein um den Schweizer Import geht, scheint zumindest Kuba noch lange nicht bedroht zu sein. Zwischen 60 bis 70 Prozent der in der Schweiz verkauften Zigarren stammen aus Kuba, schätzt man. Den zweiten Platz nimmt auch weiterhin die Dominikanische Republik ein. Nicaragua und Honduras folgen dahinter. Auch Urs Portmann möchte nicht von einem eigentlichen Verschiebungstrend sprechen. Trotzdem hebt er die hohe Qualität von Tabak und Arbeit bei Zigarren aus Nicaragua und Honduras hervor. Beides seien sehr gute Alternativen und böten spannende Abwechslung. „Schlussendlich hat aber jedes Land seinen eigenen Charakter und ist entsprechend nicht ersetzbar“, erinnert er. Aroma sei ausserdem immer Geschmackssache. Wichtig sei auch immer die ­Mischung des Tabaks, nicht nur, wo die Zigarre hergestellt wurde. Und: „Man kann auch nicht jeden Trend mitmachen. Manchmal gibt es sogar fast zu viel Vielfalt.“

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About The Author

Michel Haefeli

Michel Haefeli ist Chefredaktor und Herausgeber von drinks-and-more.ch. Er war viele Jahre als Journalist für verschiedene Medien tätig und ist zudem ausgebildeter PR Berater.

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