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Brennerei Erismann: Vom Banker zum Brenner

Brennerei Erismann: Vom Banker zum Brenner

Bereits in der 4. Generation brennen die Erismann’s in in Eschenmosen bei Bülach in der Schweiz Schnäpse oder wie man heute sagt Destillate. Am Brennofen steht seit 2001 Hans Erismann, dessen Himbeerbrand an der nationalen Schnapsmeisterschaft schon zweimal zum Besten seiner Art gekürt wurde. Neben spannenden Fruchtbränden produziert Erismann auch einen Zürcher Single Malt und seit neustem ist sein ZH Züri Gin auf dem Markt. Wir haben Hans Erismann in seiner Brennerei in Eschenmosen besucht.

Die Fahrt geht zuerst vorbei am etwas ausserhalb gelegenen Zürcher Flughafen aber schon bald merkt man nichts mehr von Flugbetrieb und Grossstadthektik und taucht ein in eine ländliche Idylle. Eschenmosen ist ein kleines Dorf mit einigen Bauernhäusern, umgeben von Feldern und Wald. Die Brennerei von Hans Erismann befindet sich im Anbau eines alten Bauernhauses.

Lange Tradition

Im modern eingerichteten Brennereiladen stechen einem zuerst einmal die grosse Anzahl der ausgestellten Fruchtbrände ins Auge. Neben Zwetschen-, Aprikosenbrand und Kirsch findet man auch exotischere Brände wie den Pflaumen Damasson und einen Mirabellenbrand. Auch wenn die Brennerei Erismann auf eine lange Tradition zurückblickt, die Flaschen und die Etiketten wirken erstaunlich modern. Vierzehn verschiedenfarbige Kreidestriche auf den Etiketten sind das Markenzeichen der Destillate von Hans Erismann. „Ich suchte etwas einfaches, das einen hohen Wiedererkennungswert hat, dann sah ich Kreidezeichnungen von meinem damals neunjährigen Sohn und wusste sofort, das ist es“, sagt Hans Erismann. So sind die Kreidestriche entstanden, die die Fruchtfarben der verschiedenen Brände repräsentieren.

Blick in die Brennerei mit den Brennöfen.

Bankjob an den Nagel gehängt

Schon in seiner Jugend hat Hans Erismann in der Brennerei ausgeholfen und seinem Vater über die Schulter geschaut. Sein Berufsweg verlief aber zuerst in eine andere Richtung. Er lernte Bankkaufmann und war mehrere Jahre bei einer Schweizer Grossbank angestellt. Erst 2001 hat er seinen Bankjob an den Nagel gehängt und die Brennerei hauptberuflich übernommen. Ganz ohne subtilen Druck des Vaters ging das aber nicht über die Bühne: „Mein Vater hat mich vor die Wahl gestellt. Entweder ich übernehme die Brennerei oder er gibt die Brennlizenz ab und das wollte ich dann doch nicht“, erklärt Hans Erismann. Bereut hat er den Entscheid bis heute nicht.

Fruchtbrände haben heute leider – zu unrecht – ein etwas angestaubtes Image und die Verkaufszahlen sind seit Jahren rückläufig. Stellt sich die Frage, ob man denn davon leben kann? „Man kann aber die Margen sind klein, vor allem wenn man nur qualitativ hochwertige Früchte aus der Region verarbeitet“, sagt Hans Erismann. Und für Ihn war es nie eine Frage mehr Gewinn auf Kosten der Qualität zu erwirtschaften. „Im Mittelpunkt steht für uns immer das Produkt, seine unbedingte Qualität“, betont der Brenner.

Der mehrfach prämierte Himbeergeist der Brennerei Erismann.

Himbeerdestillat von Hans Erismann. Das Destillat wird aus reinen Himbeeren hergestellt, also nicht vergeistet. Sehr fruchtiges und im Gaumen lang anhaltendes Aroma.

Lohnbrennerei

Neben der Produktion seiner eigenen Destillate betreibt Hans Erismann auch Lohnbrennerei. Das heisst, wer Früchte in seinem Garten hat und daraus Schnaps brennen will, kann diese zu ihm bringen und brennen lassen. Bis vor ein paar Jahren, zog der Brenner aus Eschenmosen mit einem mobilen Brennwagen noch durch die ganze Schweiz und brannte bei den Kunden vor Ort. Das lohnt sich heute aber nicht mehr.

Hans Erismann verkauft seine Produkte regional an Private, die Gastronomie und den Handel. Besonders beliebt sind seine Geschenksets, die er in gewünschter Stückzahl individuell zusammenstellt. Sie tragen massgeblich dazu bei, dass er von seiner Passion leben kann. Trotz langer Tradition ist Hans Erismann aber nie stehengeblieben: Er war einer der ersten, der einen eigenen Single Malt Whisky und einen Absinth auf den Markt brachte. Und nun also Gin. „Ich habe schon im Auftrag von Kunden Gin hergestellt aber ein eigener Gin war lange kein Thema. Ich dachte mir, davon gibt es seit Beginn des Gin Booms schon genug“, sagt Hans Erismann. Als er aber vor einigen Monaten den Heustock aufräumte sah er die Heublumen, atmete deren Duft ein und es machte Klick. „Dieses Erlebnis gab mir die Inspiration zu meinem eigenen Gin. Die Vision war, einen Gin zu kreieren, der den Geist aus unserem Tenn und den Charakter und die Lebensfreude eines üppigen Bauerngartens in sich trägt“. Das ist ihm auch gelungen.

ZH Züri Gin 45%vol.

„Die Inspiration unseren eigenen Gin zu brennen, kam aus unserem Tenn. Nicht selten liegt eine dicke Heublumenschicht auf dem Tennboden. Auf dem Lande gelten als Heublumen alle Pflanzenteile, die von der Heugabel nicht erfasst werden. Vielleicht hat uns aber auch das Erbe aus einer alten Bauernfamilie zu stammen nicht ganz losgelassen.
Die Vision war es einen Gin zu kreieren, der den Geist aus unserem Tenn und den Charakter und die Lebensfreude eines üppigen Bauerngarten in sich trägt.

Hans Erismann

Qualität steht im Vordergrund

Mit Botanicals hat Hans Erismann nicht gegeizt. Neben Wacholderbeeren hat er unter anderem, Berberitzen, Lorbeerblätter, natürlich Heublumen, Ysop, Holunderblüten, Kamillenblüten und weitere Botanicals verwendet. Auch beim Gin stand die Qualität im Vordergrund: Die Botanicals wurden einzeln während mehreren Tagen in Alkohol eingelegt, dann nach und nach einzeln destilliert und erst nach mehrwöchiger Lagerung zum ZH Züri Gin vermählt. Herausgekommen ist ein hochqualitativer Gin, der sich vor anderen Spitzenprodukten nicht verstecken muss. Das zeigen auch die Reaktionen der Kunden: „Der ZH Züri Gin ist ausserordentlich gut angekommen und verkauft sich auch sehr gut. Das freut mich natürlich sehr“, sagt Hans Erismann.

Und was ist vom umtriebigen Brenner aus Eschenmosen in Zukunft noch zu erwarten? „Ein Wodka auf Kartoffelbasis schwirrt mir schon seit längerem im Kopf herum und ein rauchiger Whisky ist in Planung. Und wer weiss, vielleicht wage ich mich noch an einen Rum“.

Die Produkte der Brennerei Erismann sind erhältlich unter: brennerei-erismann.ch.

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About The Author

Michel Haefeli

Michel Haefeli ist Chefredaktor und Herausgeber von drinks-and-more.ch. Er war viele Jahre als Journalist für verschiedene Medien tätig und ist zudem ausgebildeter PR Berater.

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