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Interview mit Markus Wehrli, CEO der Haecky Gruppe

Interview mit Markus Wehrli, CEO der Haecky Gruppe

Die Haecky Gruppe in Reinach (BL) feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Das Familienunternehmen vertritt in der Schweiz rund 190 Marken und führt zudem mehrere Eigenmarken im Sortiment. Die Haecky Import AG wurde 1916 als Familienunternehmen für den Import und Vertrieb erstklassiger Food-Spezialitäten (Haecky Fine Food), Spirituosen, Champagner und Schaumwein (Haecky Drink) gegründet. Wir sprachen mit CEO Markus Wehrli über die Geschichte des Unternehmens und zukünftige Entwicklungen.

drinks-and-more.ch: Herr Wehrli, bitte stellen Sie sich unseren Lesern kurz vor.

Ich heisse Markus Wehrli, bin 48 Jahre alt, verheiratet und Vater von drei Kindern. Nach meinem Wirtschaftstudium an der Universität Basel war ich im Ausland im Bereich Detailhandel tätig. Nach meiner Rückkehr in die Schweiz übernahm ich die Leitung der Firma Restomat, danach war ich sechs Jahre lang CEO der Weitnauer Gruppe, die – unter anderem – im internationalen Duty Free Geschäft engagiert ist. Seit 2013 bin ich CEO der Haecky Gruppe. Wenn ich nicht arbeite, steht bei mir die Familie im Mittelpunkt, ansonsten lese ich gerne und treibe Sport.

drinks-and-more.ch: Sie scheinen ein Faible für traditionsreiche Firmen zu haben. Bevor Sie 2013 zu Haecky kamen, waren Sie Chef der Weitnauer Group, die 1865 gegründet wurde und nun können Sie als CEO das 100jährige Jubiläum der Haecky Import AG feiern. Was ist das Besondere daran eine Firma zu leiten, die auf eine lange Geschichte zurückblicken kann?

Es ist ja nicht so, dass ich mir Firmen mit einer langen Tradition bewusst aussuche. Aber es stimmt, beides sind Firmen mit einer langen Geschichte und beides sind Familienunternehmen und beides sind KMU’s. Das Besondere bei solchen Firmen ist, dass man sich nach Langzeitvisionen ausrichtet und nicht nur nach kurzfristigem Erfolg strebt. In solchen Unternehmen kann man sich mehr einbringen und mehr bewirken. Ausserdem wird in Familienbetrieben mit viel mehr Herzblut gearbeitet und man wird als Mitarbeiter Teil einer Unternehmensgeschichte. Ich spüre aber auch eine zusätzliche Verantwortung den Eigentümern und Mitarbeitenden gegenüber Sorge zu dem zu tragen, was über Generationen aufgebaut wurde.

drinks-and-more.ch: Mit 270 Mitarbeitern, 100 Millionen Franken Umsatz und 2’000 Produkten im Vertrieb ist Haecky heute erfolgreicher denn je. Was sind die Grundpfeiler dieses Erfolgs?

Mit unseren vier Geschäftseinheiten Haecky Import AG, Haecky DistriFresh AG, Sandro Vanini SA und Deliciel AG sind wir breit abgestützt und sowohl im Handel als auch in der Produktion tätig. Natürlich kochen auch wir – wie andere Firmen – nur mit Wasser, was uns jedoch von den Mitbewerbern unterscheidet, ist das ausgeprägte, langfristige unternehmerische Denken. Gerade in der Spirituosenbranche ist das leider nicht immer der Fall. Unser unternehmerisches Handeln unseren Partnern gegenüber ist sehr transparent und auf eine langfristige, erfolgreiche Zusammenarbeit ausgerichtet.

Die Haecky Gruppe befindet sich seit ihrer Gründung zu 100% in Familienbesitz. 270 Mitarbeitende erwirtschaften mit hochwertigen Lebensmitteln und Getränken (Spirituosen und Schaumweinen) einen Umsatz von rund CHF 100 Mio. Der Hauptsitz und gleichzeitig Standort der Haecky Import AG ist in Reinach / BL. Weitere Niederlassungen befinden sich in Widnau (Haecky DistriFresh AG), Rivera (Sandro Vanini AG) und Birmenstorf (Deliciel AG). Das Sortiment besteht aus international bekannten Markenprodukten, die entweder von Haecky in der Schweiz selber hergestellt oder aus der ganzen Welt importiert werden. Weitere Informationen unter www.haecky.ch

drinks-and-more.ch: Die Firma Haecky befindet sich immer noch in Familienbesitz und drei Nachkommen der Gründerfamilie sitzen heute im Verwaltungsrat. Was sind die grundsätzlichen Unterschiede zwischen einem Familienunternehmen und einer Publikumsgesellschaft?

In einem Familienunternehmen wie der Haecky Gruppe stehen nicht die nächsten Quartalszahlen im Vordergrund, sondern die gesunde, langfristig erfolgreiche Entwicklung der Firma. Ich rapportiere dem Verwaltungsrat nicht nur das, was er mich fragt. Die Kommunikation ist sehr intensiv und umfasst auch Detailfragen und die Strategie. Man trägt und teilt die Firmenphilosophie und ist mit viel mehr Herz dabei als in einer Publikumsgesellschaft.

drinks-and-more.ch: Neben dem Vertrieb in den Bereichen Food und Drinks gehören die Produktionsfirmen Haecky DistriFresh AG, Sandro Vanini SA und Deliciel AG zur Firmengruppe. Ausserdem besitzen Sie Eigenmarken wie Rum Coruba. Haecky ist also breit abgestützt. Ist das auch Ihre Strategie für die Zukunft?

Auf jeden Fall. Die Firma Deliciel AG, die Backwaren und Konditoreiartikel für die Gastronomie und den Detailhandel produziert, haben wir vor einigen Jahren bewusst gekauft, um unsere Produkte produzierende Sparte zu stärken. Wir werden auch in Zukunft in diesem Bereich expandieren, da es unsere Wertschöpfung stärkt. Wenn man selber produziert, hat das aber noch einen weiteren Vorteil: Es hilft uns zu einem vertieften Verständnis für jemanden, der uns seine Marke für den Vertrieb überlässt. Da wir selbst produzieren können wir die Vorstellungen und Erwartungen unserer Partnerin der Distribution besser abschätzen und so den Produktionsgedanken optimal mit dem Handelsgedanken verbinden.Das unterscheidet uns auch wesentlich von Mitbewerbern.

Beam Suntory Sortiment

drinks-and-more.ch: Welche Bedeutung hat die Haecky Drink innerhalb der Gruppe?

Als Familienunternehmen publizieren wir keine Detailzahlen zu den einzelnen Geschäftseinheiten. Der Handel mit Spirituosen ist aber ein sehr wichtiger und stark wachsender Teil unseres Unternehmens und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.

drinks-and-more.ch: Als Getränke Onlinemagazin interessiert uns natürlich vor allem der Bereich Haecky Drink. In letzter Zeit konnten Sie einige namhafte Whisky-Brands wie Laphroaig, Bowmore und weitere Spirituosen der BeamSuntory Gruppe dazugewinnen. Ist das Zufall oder ist Haecky Drink daran vor allem das Whisky Portfolio weiter auszubauen?

Nein, das ist kein Zufall. Wir haben bei den Spirituosen zwar ein Vollsortiment mit dem wir alle Bereiche abdecken, Whisky und Rum sind für uns aber zwei erklärte Sortimentsschwerpunkte, die wir besonders pflegen. Bei BeamSuntory war es so, dass die Firma nach der Fusion drei Vertriebe in der Schweiz hatte, sich aber auf einen Vertriebspartner konzentrieren wollte. Wir haben uns aktiv um das Sortiment von BeamSuntory bemüht und bekamen schliesslich den Zuschlag und ich denke, dass die Produkte perfekt in unser Portfolio passen.

drinks-and-more.ch: Mit Likören, Digestifs, Port- und Schaumweinen, Whisky und Rum verfügen Sie über ein breites Portfolio im Bereich der alkoholischen Getränke. Wo gedenken Sie in der Zukunft die Schwerpunkte zu setzen?

Auch in Zukunft werden wir ein Vollsortiment anbieten, – aber wie bereits gesagt – mit Fokussierung auf Whisky und Rum. In diesen zwei Fachbereichen haben wir auch die höchste Fachkompetenz und hier werden wir uns aktiv um neue Produkte bemühen, die unser Portfolio sinnvoll ergänzen.

drinks-and-more.ch: Alkoholfreie Getränke sucht man im Sortiment von Haecky Drink vergebens. Was ist der Grund dafür?

Dieses Thema wurde intern bei Haecky schon mehrmals diskutiert, aber ein richtiges Thema war es noch nie. Wir hatten auch schon mehrere Anfragen aus dem Bereich alkoholfreie Getränke, haben aber immer abgelehnt. Der Grund ist einfach: Unsere Kernkompetenz liegt bei den Spirituosen und wir wollen uns auf keinen Fall verzetteln, sondern auf unsere Stärken fokussieren.

drinks-and-more.ch: Zur Haecky Gruppe gehört auch ein Weingut in Spanien. Den Weinhandel haben Sie aber vor drei Jahren abgestossen. Was waren die Gründe dafür?

Das war ein strategischer Entscheid. Wir wollten uns auf unsere Kernkompetenz, die Spirituosen konzentrieren. Ein weiterer Grund, dass wir uns aus dem Weingeschäft zurückgezogen haben war auch die Markt- und Konkurrenzsituation beim Wein. Erfolg hat man nur über die Menge und den Preis und wir haben in diesem Bereich die kritische Grösse leider nicht erreicht, um wirklich erfolgreich vorne mitzumischen. Das Weingut in Spanien ist weiter in unserem Besitz, denn da sind wir Produzent und erzielen eine bessere Wertschöpfung. Aber auch unseren eigenen Wein vertreiben wir nicht selber. Hier arbeiten wir mit regionalen Partnern zusammen.

drinks-and-more.ch: Bier vor allem Craft Beer ist stark im kommen. Gibt es Gedankenspiele auf diesen Trend aufzuspringen?

Craft Beer ist zweifellos eine interessante Geschichte mit Zukunft. Aber aus den gleichen Gründen wie bei den alkoholfreien Getränken ist das für uns kein Thema.

drinks-and-more.ch: Ein anderer Trend ist Gin. Da sind Sie mit gerade Mal drei Gin Marken ein wenig schmalbrüstig aufgestellt. Was ist der Grund?

Wie gesagt liegt unser Fokus auf Whisky und Rum. Mit „The London No 1 Original Blue Gin“ und dem „Finsbury“ haben wir aber zwei Superprodukte im Sortiment. Ich bezweifle auch, dass der Gin Hype wirklich nachhaltig ist. Da sehe ich viel mehr Potential beim Rum. Sollte jedoch ein Produzent mit einem guten Gin, der in unser Portfolio passt, an uns herantreten, sind wir sicher nicht abgeneigt.

Haecky Hauptsitz in Reinachdrinks-and-more.ch: Sie importieren ja nicht nur, sondern exportieren die Eigenmarken auch ins Ausland. Wie hat sich der hohe Frankenkurs auf das Geschäftsergebnis ausgewirkt?

Das ist auch für uns eine grosse Herausforderung, die wir aber den Umständen entsprechend bis heute gut gemeistert haben. Wir haben preislich schnell reagiert und auch Währungsvorteile schnell an unsere Kunden weitergegeben. Das Hauptproblem des hohen Frankenkurses sehe ich darin, dass es vermehrt zu Entlassungen kommt, die wiederum auf die Konsumentenstimmung drücken.

drinks-and-more.ch: Gerade im Spirituosenbereich ist die Auswahl gross und der Konkurrenzkampf hart. Wie wollen Sie sich von den anderen Markteilnehmern abheben?

Da ist einmal die Unabhängigkeit, die uns auszeichnet und das Gespür, das wir für die Anliegen der Produzenten haben. Weitere Stärken sind unsere Transparenz in der Zusammenarbeit mit unseren Partnern.

drinks-and-more.ch: Rum Coruba ist eine Eigenmarke von Haecky. Wie ist es eigentlich dazu gekommen und wie entwickelt sich die Marke?

Die Marke Coruba entwickelt sich erfreulich gut. Da steckt eine lange Geschichte und viel Tradition dahinter. Entsprechend kümmern wir uns auch mit viel Herzblut um dieses Produkt.

drinks-and-more.ch: Wo sehen Sie im Spirituosenbereich die Trends für 2016?

Eine schwierige Frage, denn auch ich verfüge zuhause über keine Glaskugel mit der ich in die Zukunft sehen kann. Beim Whisky sehe ich einen eindeutigen Trend zu qualitativ hochstehenden Spezialabfüllungen aber auch zu limitierten Serien. Dann glaube ich, dass Whiskies aus anderen Ländern als Schottland weiter Boden gut machen und Markanteile gewinnen werden, zum Beispiel aus Irland. Überzeugt bin ich, dass Rum weiter zulegen wird und das vor allem bei Premiumprodukten, die man pur trinkt.

drinks-and-more.ch: Werden wir persönlich: Welche Spirituose trinken Sie am Liebsten?

Wenn ich einen Tag ruhig ausklingen lassen will, dann geniesse ich meist einen „Coruba 12 Years Cigar“ oder dann einen „Laphroaig 10 Years“, bei dem mir vor allem das rauchige, torfige Aroma sehr gut gefällt.

drinks-and-more.ch: …und Ihr Lieblingscocktail?

Wenn Sie Caipirinha als Cocktail gelten lassen, dann ist es eindeutig dieses brasilianische Nationalgetränk.

drinks-and-more.ch: Welche Voraussetzungen muss eine Bar und das Personal erfüllen, damit sie zu einer Ihrer Lieblings Bar’s wird?

Gute Getränke kann ich überall kaufen und zuhause geniessen. Darum erwarte ich in einer Bar vor allem kompetentes Personal mit viel Fachwissen, das mit Freude bei der Arbeit ist und auf den Kunden und seine Bedürfnisse eingeht.

drinks-and-more.ch: Herr Wehrli, wir danken Ihnen herzlich für das offene Gespräch.

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About The Author

Michel Haefeli

Michel Haefeli ist Chefredaktor und Herausgeber von drinks-and-more.ch. Er war viele Jahre als Journalist für verschiedene Medien tätig und ist zudem ausgebildeter PR Berater.

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