Villiger Celebration

Kavalan Whisky Taiwan: Exklusivinterview mit dem CEO und dem Masterblender

Es tut sich was in der Whisky-Landschaft. Bis vor wenigen Jahren war Schottland praktisch ein Synomym für Whisky, heute sind es innovative Brenner aus Kontinentaleuropa und Japan, die die Szene aufmischen. Und nun erobert die taiwanesische Distillerie Kavalan Europa mit ihren aussergewöhnlichen und preisgekrönten Whiskies. Noch vor wenigen Jahren völlig unbekannt staunt die Fachwelt über die sensationellen Erfolge der 2005 gegründeten taiwanesischen Destillerie. Yu-Ting Lee (CEO der King Car Group, zu der Kavalan gehört) und Ian Chang (Masterblender von Kavalan) gaben drinks-and-more.ch ein Exklusivinterview.

Drinks-and-more.ch: Herr Lee, in Taiwan muss man Sie nicht mehr gross vorstellen. Bei uns in der Schweiz weiss man aber noch nicht so viel über Sie. Wer sind Sie?

Yu-Ting Lee: Mein Name ist Yu-Ting Lee und ich bin CEO der King Car Gruppe, zu der auch die Kavalan Distillery gehört. Als Whiskyliebhaber hatten ich und mein Vater Tian-Tsai Lee schon lange vor in Whisky-Produktion einzusteigen. Aber erst mit dem Beitritt von Taiwan zur Welthandelsorganisation (WTO) im Jahr 2002 wurde es auch nichtstaatlichen Firmen erlaubt Alkohol zu destillieren. Wir machten uns damals sofort an die Planung und im Jahr 2005 begannen wir mit dem Bau der Distillerie.

Sie haben sich bei uns vor allem durch den Kavalan Whisky einen Namen gemacht. Die Kavalan Brennerei gehört zur King Car Group, welche in verschiedenen Geschäftsbereichen tätig ist. Erzählen Sie uns bitte mehr über Ihren Konzern.

Yu-Ting Lee: Die King Car Gruppe wurde 1959 von meinem Vater Tian-Tsai Lee gegründet. Allein in Taiwan beschäftigen wir heute rund 2’000 Mitarbeiter und sind in verschiedenen Geschäftsbereichen aktiv. Die wichtigsten sind Getränke, Speisen, Biotechnologie, Gartenbau, chemische Erzeugnisse und seit 2005 mit Kavalan auch die Whiskyproduktion. King Car ist bis heute ein familiengeführtes Unternehmen mit Niederlassungen in Deutschland, China und Tschechien.

Die Kavalan Distillerie wurde im Jahr 2005 in der Region Yilan eröffnet und präsentiert seither als erste staatlich unabhängige Brennerei hochwertige Single Malts, die heute die Whiskywelt nicht nur erstaunen, sondern auch begeistern. Wie ist die Idee entstanden einen taiwanesischen Whisky zu produzieren?

Yu-Ting Lee: Die Idee hatte ursprünglich mein Vater. Auch er ist ein Whiskyliebhaber. Früher hat man in Taiwan mehr Brandy getrunken, der Konsum ging jedoch von Jahr zu Jahr zurück und es wurde immer mehr Whisky konsumiert. So haben wir uns – auch aus wirtschaftlichen Erwägungen – für den Whisky entschieden.

Whiskyproduktion ist ja nicht gerade das Kerngeschäft der taiwanesischen Industrie. Welche Schwierigkeiten mussten Sie in den Anfängen von Kavalan überwinden?

Yu-Ting Lee: Es ist immer eine Herausforderung, wenn man Neuland betritt. Aber wir mussten ja nicht etwas Neues von Grund auf erfinden. Wir konnten auf Jahrzehnte Erfahrung in der Produktion von Whisky zurückgreifen. Allerdings reicht Wissen und das richtige Equipment allein noch nicht. Wir hatten und haben sehr hohe qualitative Ansprüche an unseren Whisky und es war viel Aufbauarbeit notwendig, um dahin zu gelangen, wo wir heute stehen. Und natürlich hatten wir am Anfang auch mit Rückschlägen zu kämpfen aber wir haben getestet und getestet, bis wir das Level erreicht haben, das wir anstrebten.

Ian Chang: Die Hauptherausforderung am Anfang war vor allem die Wahl der richtigen Fässer für die Lagerung aber auch die Auswirkungen unseres Klimas, das sich sehr von dem in Schottland unterscheidet. Als dann unser Whisky auf den Markt kam, mussten wir viel Überzeugungsarbeit leisten, auch weil es sich bei Kavalan um einen Non Aged Whisky handelt. Wir haben viele Tastings mit Whiskykennern und Konsumenten veranstaltet und haben das Feedback wiederum in unsere Produktion einfliessen lassen. Heute ernten wir weltweit Lob für die Qualität und den Geschmack unserer Whiskies und das ist natürlich nicht nur Lohn für die lange und harte Entwicklungsarbeit in den Anfängen, sondern es macht uns auch sehr stolz.

Herr Chang, Sie waren von Anfang an als Master Blender dabei. Erzählen Sie uns etwas über sich und Ihren Anteil am heutigen Erfolg von Kavalan Whisky.

Ian Chang: Es war für mich eine Ehre und ein Privileg bei Kavalan von Beginn an dabei zu sein, eine Distillerie aufzubauen und einen so hochwertigen Whisky zu kreieren. Es waren sehr interessante Jahre und die Erfahrungen, die ich sammeln konnte sind für mich und für Kavalan von unschätzbarem Wert. Heute sind die Herausforderungen anders als in der Anfangszeit, wo ich vor allem Entwickler war. Heute geht es vor allem darum, das hohe Qualitätslevel, das wir erreicht haben zu halten oder sogar noch zu verbessern und das ist eine genauso grosse Herausforderung, der ich mich in den nächsten Jahren mit Freude und Engagement stellen werde.

Mit Dr. Jim Swan, einem britischen Chemiker, haben Sie einen renommierten Whiskyexperten als Berater ins Boot geholt. 

Ian Chang: Jim Swan ist zwar der breiten Masse nicht so bekannt, dafür um so mehr bei den Whiskyherstellern. Er ist weltweit einer der besten Fachleute, wenn es um die Herstellung und Reifung von Whisky geht. Jim Swan hat uns seit 2006 als Experte begleitet und seine Kenntnisse und Erfahrungen im chemischen Bereich und bei der Verwendung der optimalen Fässer hat uns sehr geholfen. Er war mein Mentor und hat mir alles beigebracht, was ich heute über Whisky weiss. Wir hoffen, dass wir noch viele Jahre weiter mit ihm zusammenarbeiten können, um Kavalan Whisky ständig weiterzuentwickeln.

Was sind die Besonderheiten bei der Herstellung von Kavalan Whisky in Bezug auf das Verfahren, das Equipment und das verwendete Getreide?

Ian Chang: Wir verwenden ausschliesslich Brennkessel des schottischen Herstellers Forsyths, einem Spezialisten für Whiskybrennkessel. Da in Taiwan keine Gerste angebaut wird, importieren wir diese aus Schottland und maischen sie dann ein. Über die Details des Verfahrens möchte ich nicht all zu viel sagen, weil das unter das Geschäftsgeheimnis fällt.

Im Vergleich zu vielen Brennereien in Schottland ist Kavalan eine grosse Distillerie. Können Sie uns einige Zahlen nennen?

Yu-Ting Lee: Die Kavalan Distillerie hat zurzeit eine Kapazität von 1.3 Millionen Liter Alkohol. Im grossen Lagerhaus direkt neben der Brennerei finden maximal 60’000 Fässer Platz. Im Moment haben wir cirka 40’000 Fässer eingelagert. Kavalan verfügt auch über ein grosses Besucherzentrum. Rund eine Million Menschen lassen sich jährlich von extra geschulten Mitarbeitern durch unsere Distillerie führen.

Kavalan ist heute fast auf der ganzen Welt erhältlich und seit einiger Zeit auch in den deutschsprachigen Ländern Deutschland, Schweiz und Österreich. Was versprechen Sie sich vom deutschsprachigen Markt?

Yu-Ting Lee: Für uns sind nicht nur die deutschsprachigen Länder sehr wichtig, sondern ganz Europa ist ein Kern-Markt für uns. Europa hat eine lange Whiskygeschichte und hier wird mehr Whisky getrunken, als zum Beispiel in Asien. Wir gehen davon aus, dass der Whiskykonsum in Europa noch weiter steigen wird und wir wollen an diesem Wachstum mit unseren Produkten teilhaben. Durch die Auszeichnungen, die Kavalan erhalten hat, ist unser Whisky auch in Europa bekannter geworden. Wir arbeiten aber hart daran, den Bekanntheitsgrad noch weiter zu steigern und uns entsprechend auch Marktanteile zu sichern.

Kavalan hat sich weltweit nicht nur grossen Respekt verschafft, sondern Ihre Single Malts haben in den letzten Jahren auch zahlreiche Auszeichnungen gewonnen. Das ist sicher eine Genugtuung für Sie?

Yu-Ting Lee: Wir waren immer der Überzeugung, dass wir mit Kavalan Whisky über ein aussergewöhnliches Qualitätsprodukt verfügen, weil wir uns die Messlatte in Punkto Qualität sehr hoch gesetzt haben. Aber ja, die vielen Auszeichnungen und vor allem die Wahl zum Whisky des Jahres haben uns ausserordentlich gefreut und machen uns stolz. Für uns ist diese Wertschätzung aber vor allem Ansporn uns stetig weiterzuentwickeln und unseren Whisky noch besser zu machen

Kavalan hat in sehr kürzer Zeit ein ansehnliches Sortiment an Whiskies herausgebracht. Was ist von Kavalan in nächster Zeit an interessanten Innovationen zu erwarten?

Ian Chang: Wir arbeiten einerseits permanent an der Optimierung der Qualität aber auch an der Weiterentwicklung unserer Produktelinie. Wir forschen an einigen Innovationen und werden in nächster Zeit mit einigen Überraschungen aufwarten können. Herr Lee ist sehr innovativ und hat viele Ideen. Wir werden uns also sicher nicht auf den Lorbeeren ausruhen.

Euer Flagschiff, der Solist Vinho ist zurzeit ausverkauft. Wann wird er wieder lieferbar sein?

Ian Chang: Die Lieferschwierigkeiten beim Solist Vinho sind nur temporär und haben natürlich auch damit zu tun, dass dieser Whisky international mit Preisen fast überschüttet wurde. Wir haben aber schon vor einiger Zeit unsere Produktionskapazität erhöht, um der Nachfrage gerecht zu werden. Allerdings lassen wir uns Zeit, bis die nächste Charge des Solist Vinho reif für den Verkauf ist und hundertprozentig unseren Ansprüchen genügt. In dieser Beziehung machen wir keinerlei Kompromisse auf Kosten der Qualität.

Ich gehe mal davon aus, dass Sie beide Whiskyliebhaber sind. Was haben Sie für eine Beziehung zu Whisky und welchen Whisky haben Sie getrunken, bevor Kavalan auf den Markt kam?

Yu-Ting Lee: Ich trinke ab und zu Bier und Wein, bin aber vor allem Liebhaber von guten Whiskies. Und da favorisiere ich – neben Kavalan – japanischen und schottischen Whisky. Aber Namen nenne ich jetzt keine, denn ich will ja nicht Werbung für die Konkurrenz machen.

Ian Chang: Als Student habe ich fast alles getrunken, was Alkohol hatte. Später wurde ich da wählerischer und habe vor allem japanischen Whisky und Bourbon genossen. Heute trinke ich natürlich nur noch Kavalan. (lacht)

Herr Lee, Herr Chang, wir danken Ihnen herzlich für dieses interessante Gespräch.

Exklusivertrieb Schweiz & Liechtenstein: www.lateltin.com/

Exklusivvertrieb Österreich: www.bevanda.cc

http://kavalan.eu/

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About The Author

Michel Haefeli

Michel Haefeli ist Chefredaktor und Herausgeber von drinks-and-more.ch. Er war viele Jahre als Journalist für verschiedene Medien tätig und ist zudem ausgebildeter PR Berater.

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