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„Scotch Whisky“ – Die Arten, das Vokabular und die Polemik

„Scotch Whisky“ – Die Arten, das Vokabular und die Polemik

Wir lieben den Whiskyjargon. Und jeder benutzt gerne schöne Fachbegriffe. Der eigene Schottenrock ist ohnehin Pflicht für den Genuss von Scotch und schindet zudem ungemein Eindruck. Das ist uns wichtig. Und die Wirkung zeitigt sich. Ohne eine gehobene Sprache aber kann ein Single Malt Whisky nicht genossen werden. Wenn es nichts zu debattieren gibt, weil einem die Worte oder das Verständnis fehlen, dann ist der Whisky schlecht. Nehmen wir das als gegeben hin. Ein Whisky ohne Worte zu geniessen ist die härteste Verurteilung desselben. Einzige Ausnahme: Am Sarg eines verstorbenen Freundes.

Seit kurzem gibt es neues Vokabular zu lernen: „Non Age Statement“ (NAS) oder „flavour-led“. Für einen Single Malt Whisky Fan waren die hinter diesen Begriffen stehenden Schnapsideen noch vor wenigen Jahren schlichtweg Gotteslästerung. Die Zeiten ändern sich, die Götter auch und der Whisky folgt dem ganzen schweren Tross nun ganz allmählich.

Der Begriff „Scotch Whisky“ ist eng und weit zugleich. So wie Schottland selbst. Die heute sehr markenorientierte Szene interessiert sich vor allem für Single Malt Whiskies. Daneben gibt es aber auch andere Variationen von Scotch Whisky, die ebenso interessant wie gut sind. Das schauen wir uns nun im Folgenden an.

Ganz allgemein zum Scotch Whisky

Der Begriff „Scotch Whisky“ bedeutet im Wesentlichen, dass es sich um einen in Schottland nach eigenem Reinheitsgebot vorbereiteten, destillierten, dort mindestens 3 Jahre gelagerten und schliesslich auch dort abgefüllten Whisky handelt. Das mit der Lagerung und der Abfüllung ist in den letzten Jahren durch die SWA (Scotch Whisky Association) neu „dazu“ geregelt worden und hat in der Folge die Produkte der unabhängigen Abfüller (Independent Bottlers) teilweise massiv verteuert. Damit soll einer „Verwässerung“ der schottischen Erfindung „Whisky“ unter dem Label „Scotch“ weitgehend ein Riegel geschoben werden.

Andersrum formuliert: Ein in Schottland hergestellter Whisky, der nicht (ausschliesslich) dort gelagert und abgefüllt wurde, ist kein „Scotch Whisky“ mehr. Weil in der Vergangenheit unabhängige Abfüller (Independent Bottlers) aus aller Herren Länder Whisky-Fässer kauften und dann ins Ausland brachten, um sie dort unter Adleraugen und Elefantenrüsseln zu lagern und dann bei geringen Kosten selbst abfüllen zu können. Diese so abgefüllten Whiskies sind und waren eher im preiswerten Segment für Single Cask Whiskies zu finden, zumindest bis anhin. Das wird sich ändern, aber nicht nur durch den „Schottenzwang“ der Lagerung und Abfüllung, denn die Preise für sogenannten „New Make Spirit“ (Rohwhisky, noch nicht im Fass, frisch ab Distillerie) oder auch von gereiften Whiskies sind in den letzten Jahren überproportional angestiegen. Die Schotten haben realisiert, dass sie mit dem Verkauf von ganzen Fässern an unabhängige Abfüller sich potentiell selbst einen Wettbewerbsnachteil einfangen. Insbesondere dann, wenn die Resultate der unabhängigen Abfüller besser sind, als die eigenen. Und das kam und kommt schon regelmässig vor.

Unser Liebkind: Single Malt Scotch Whisky

Unter „Single Malt Scotch Whisky“ versteht man nichts weiter als Whisky aus einer einzigen schottischen Distillerie, gebrannt aus 100% Gerste, im Gegensatz zum „Blended Whisky“. Das ist auch schon alles. Es werden von dieser einzigen Distillerie verschiedene Fässer ausgewählt, miteinander verschnitten, oftmals noch gefärbt, damit der Konsument sich nicht mit blassem Gold abfinden muss, und dann abgefüllt. Single Malt Scotch Whisky gibt es mit Altersangabe (Age Statement), d.h. das Alter des Whiskies ist auf dem Etikett vermerkt oder der Jahrgang der Produktion und der Abfüllung. Letzteres finden wir dann eher Bereich der Single Cask Malt Whiskies.

Nachdem die Bestände an altem schottischen Whisky rarer werden, hat sich der Begriff „No Age Statement“ eingebürgert für Whiskies, die zwar das gesetzliche Minimalalter für Scotch von 3 Jahren erreicht haben (oftmals natürlich auch älter sein können und sein werden), aber in der Regel dennoch in seinen Hauptbestandteilen eher jung sind. Diese „NAS“-Whiskies tragen dann oftmals Phantasiebezeichnungen oder nehmen Bezug auf die sensorischen Eigenschaften des Whiskies oder anderen Spezifikationen beim Whiskydesign. Sie sind qualitativ vielfach besser als man erwartet, es hat aber auch ganz hässliche, stümperhafte Beispiele in dieser Kategorie. Man wird belehrt, diese seien dann für den amerikanischen Markt gedacht.

Mit (zu) jungen Whiskies zu operieren entspricht nicht der Überzeugung vieler Blender. Sie wissen natürlich, dass gerade Scotch Whisky aufgrund seiner Machart und des schottischen Klimas sein Alter haben muss, um gut zu sein. Es ist kein Zufall, dass sich die Single Malt Whiskies um die 10 bis 12 Jahre rangeln. Der Mangel an altem Whisky macht es jedoch notwendig, sich auch an jüngeren Whiskies zu vergreifen und – auch wenn das niemand zugeben mag – mit einem guten Schuss frischem Sherry das beste daraus zu machen. Damit man nicht als Panscher auffliegt, hat es in den zugekauften Sherryfässern ganz zufällig noch ein paar Liter Sherry drin, gut abgemessen. Tja.

Es ist Unsinn, wenn das Marketing zusammen mit dem Controlling Produkte definiert und die Blender dann einfach zur Umsetzung angehalten werden. Genau das passiert heute in einigen der international gesteuerten Distillerien. Einen Vorteil haben diejenigen Produzenten, die schon im Brennprozess Ihre Mühewaltung zu erkennen geben, damit auch junge Whiskies schmackhaft sind. Das geht nämlich. Ihnen gelingen Resultate, die zwar nicht auf hohes Alter schliessen lassen, aber dennoch sehr harmonisch und geschmackvoll sind.

Das Eldorado: Single Cask Malt Scotch Whisky

Eine Einzelfassabfüllung: Es erfolgt kein Verschnitt mehrerer Fässer und kein zugesetztes Wasser bringt den Whisky zu Boden. Die Single Cask Abfüllungen sind äusserst geschätzt und haben immer einen deutlich höheren Preis als eine Standardabfüllung. Sie werden praktisch ausnahmslos in „Fassstärke“ abgefüllt (Cask Strenght) und haben je nach Dauer der Lagerung und klimatischen Einflüssen sowie dem Lagerort im Lagerhaus (Warehouse) einen Alkoholgehalt von etwa zwischen 43% und 59% Volumenprozent. Warnung: Nicht jede Einzelfassabfüllung ist automatisch besser als eine Standardabfüllung der Destillerie selbst. Einige Single Cask Whiskies sind schlichtweg atemberaubend, andere eine herbe Enttäuschung. Gerade Abfüllungen von alten Einzelfässern ist mit Vorsicht zu begegnen. Und gerade die alten Whiskies sind bekanntlich nie günstig. Sie sollten vor dem Kauf probiert werden können, um ein böses Erwachen zu vermeiden. Schönreden hilft natürlich immer, positive Worte schaffen ein positives Erlebnis, fair enough.

Ausserordentlich gelungene Einzelfassabfüllungen sind vermutlich eine gute Wertanlage und zwar immer dann, wenn auch die Marke der Destillerie „stark“ ist. Wir fassen zusammen: Ein Single Cask Whisky ist das herrlichste Spielfeld für die wahren Geniesser – und die übelsten Spekulanten.

Ist kein Single Malt: Blended Malt Scotch Whisky (vormals: Vatted Malt Whisky)

Eine bis dato bei Whiskykennern eher verschmähte Kategorie bildet der Blended Scotch Malt Whisky. Hier werden Single Malt Whiskies verschiedener Brennereien verschnitten (die Schotten präzisieren: mindestens 2!) und des öfteren in untypischen Fässern nachgereift. So werden sehr interessante Produkte generiert. Eine Wertschätzung dieser Whiskies setzt voraus, dass ein Markendenken, das vielen Geniessern latent innewohnt, ausgeblendet werden kann und man neutral, mit der Nase und nur mit der Nase an solche Produkte herantritt. Blended Malt Whiskies sind in der Regel recht preiswert und dennoch ungeheuer komplex. Aber eben, es ist kein ungeteilter Markenkult möglich, somit beschränkt sich die Vermarktung auf eine Nische.

Für all jene, die Whisky nicht mögen: Grain Whisky

Grain Whisky wird nicht aus Gerste, sondern aus „Grain“ aller möglichen Sorten, inklusive Mais hergestellt und sehr rein destilliert. Anschliessend wird er wie jeder andere Whisky mindestens drei Jahre gelagert – meistens in alten Bourbonfässern. Er charakterisiert sich durch viele Feinheiten, ist oftmals sehr mild und geschmeidig. Ein Grain Whisky ist hingegen für Whiskytrinker mit zugrunde gerichteten Geschmacksnerven kaum ein Genuss. Da ist es ratsamer, beim mit 200ppt getorften Cask Strenght zu bleiben und diesen weiterhin unverdünnt hinunter zu lassen.

Deshalb: Grain Whisky ist perfekt für Feinsensoriker oder Personen, die Whisky gerne in einer sanfteren Ausprägung geniessen, ohne halbstundenlang darüber debattieren zu müssen, ob der Whisky nun nach nassen Bremsklötzen oder vielleicht doch eher nach einem bei Nieselregen im Feld stehenden Traktor der Marke Fergusson riecht. Entspannter, stiller Genuss ist die Devise. Und wenn es sein soll, on Ice. Es gibt ihn in zwei Ausgestaltungen: Single Grain Scotch Whisky und Blended Grain Scotch Whisky.

Anfänger ertappt: Blended Scotch Whisky

Für Blended Whisky interessiert sich eigentlich kaum jemand von den passionierten Scotch Trinkern aus unseren Breitengraden. Das widerspricht irgendwie doch schon der Etikette. Er wird gerne als „Billig-Whisky“ abgetan und sei für den Alkoholiker gemacht, so eine weit verbreitete Meinung. Irrtum, denn der Alkoholiker bevorzugt Bier und Wein oder eben Vodka. Bei letzterem riecht man den Alkohol nicht so direkt aus dem Mund, und billig ist er auch.

Woher kommt nun aber diese geringe Wertschätzung von Blended Whisky? Zum einen aus der Geschichte des Phänomens Whisky selbst. Dazu aber später. Befassen wir uns erst einmal mit dem Produkt. Blended Whisky ist wie schon der Name vermuten lässt, ein Gemisch von verschiedenen Whiskies. Und ein Blended Whisky schmeckt immer gleich. Und das ist genau seine Stärke, er schmeckt immer gleich, und er ist reproduzierbar. Aus diesem Grund hat er seinen festen Stellenwert in jeder Bar, auf der ganzen Welt. Hergestellt wird er jedoch – und jetzt kommt es – aus einem beträchtlichen Anteil an Grain Whisky. Nun hat dieser Grain Whisky aber, wie wir gerade gesehen haben, nicht einen sehr ausgeprägten Geschmack. Deshalb haben findige Geister herausgefunden, dass man mittels Verschneiden (Blending) von verschiedensten Sorten von Single Malt Whiskies dem zugrunde liegenden Grain Whisky deutlich mehr Geist einhauchen kann. Dies ist eine Kunst – um nicht zu sagen die höchste Kunst rund um Whisky – und ist nur sehr erfahrenden Blendern vorbehalten.

Der Anteil der verwendeten Single Malt Whiskies in einem Blended Whisky ist unterschiedlich, 15% vielleicht bei einem einfacheren, „dünneren“ Blended Whisky bis hin zu fast 40% bei einem hochkarätigen. Es kann eine unglaublich Vielzahl verschiedener Single Malts dazu verwendet werden. Dabei werden z.T. auch sehr alte Whiskies zum Verschneiden Einlass in einen (hervorragenden) Blend finden. Der Range eines Blended Whisky geht somit von eher einfach über süffig bis komplex und sämig. In beiden Fällen ist er jedoch eines: Reproduzierbar, auch in grossen Mengen. Frei nach dem Motto: „Die Welt ist nicht genug! Wir wollen auch nach Indien.“

Eine hochpreisige Flasche Blended Whisky sollte man zumindest einmal bei Gelegenheit probiert haben. Nur schon deshalb, um den Masterminds der Scotch Szene, den Blendern, den angemessenen Respekt zu zollen.

Zurück zur Geschichte: Wäre der Blended Whisky nicht gewesen, wäre der weltweite Siegeszug des Whiskies kaum möglich gewesen. Es ist noch nicht lange her, da mochte der Konsument die überstarken Charaktere der Single Malts in ihrer rüden Breite nicht, er hat leichteren Whiskies den Vorzug gegeben. Diese Erkenntnis, gepaart mit immensen Marketingbudgets der Glasgower Whisky-Schickeria hat dem Blended Whisky nicht nur das Überleben des Scotch selbst gesichert, sondern den Single Malt Whisky, so wie wir in lieben – oder liebten – überhaupt erst ermöglicht.

„Flavour-led“, hätte ich fast vergessen, ist übrigens eine geschickte Formulierung für: „Der stilisierte Geschmack und die Marke steht im Vordergrund – aber Whisky ist es auch.“ Q.E.D.

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About The Author

Marcel Telser

Marcel Telser ist der umtriebige Kopf hinter der Telser Distillery Ltd. in Triesen (Lie) und führt die Brennerei in der 4. Generation. Der studierte Jurist bildete sich beim Wine & Spirits Education Trust in London sowie beim Institute for Brewing and Distilling in Elgin, Schottland fort. Zudem ist Marcel Telser Mitglied der Vorarlberger Spirituosensommeliers, Juror bei der International Wine & Spirits Competition (IWSC) in London, Member of the Gin Guild (London) sowie Vorstandsmitglied der Distiswiss.

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