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Interview mit Marcel Telser: Inhaber und Master Distiller der Telser Distillery in Triesen (Lie)

Interview mit Marcel Telser: Inhaber und Master Distiller der Telser Distillery in Triesen (Lie)
Die Telser Distillery Ltd. in Triesen (Liechtenstein) ist die einzige gewerbliche Brennerei im Fürstentum. Seit 1880 werden in der denkmalgeschützten Brennerei in der 4. Generation edle Destillate und seit 2006 auch die ausgezeichneten Whisky Telsington produziert. Vor einem Jahr ist mit dem Telsington London Dry Gin auch noch ein Gin dazugekommen. Wir sprachen mit Marcel Telser, dem Inhaber, Geschäftsführer und Master Distiller über seinen Werdegang, seine Produkte und noch einiges mehr.

Drinks-and-more.ch: Herr Telser, wer sind Sie?

Marcel Telser: Ich bin Marcel Telser, 44 Jahre alt und Inhaber, Geschäftsführer und Master Distiller der Telser Distillery in Triesen. Von Haus aus bin ich Jurist und habe 17 Jahre lang in der Finanzbranche als Consultant gearbeitet. Seit 25 Jahren betreibe ich die Telser Distillery zusammen mit meinem Vater. Eigentlich bin ich in der Brennerei aufgewachsen. Im Winter war es unser Wohnzimmer, da es dort immer am wärmsten war. Ich konnte also schon sehr früh Erfahrungen sammeln. Diese habe ich dann mit verschiedenen Brennkursen – unter anderem in Schottland – vertieft. Vor fast zwei Jahren habe ich mich entschlossen meinen angestammten Beruf aufzugeben und mich voll auf das Brennen und die Führung der Distillery zu konzentrieren.

Ich nehme an, dass sich in den vergangenen Jahren einiges in Ihrer Brennerei verändert hat.

Marcel Telser: Das ist so. Wir produzieren und vertreiben heute nicht nur unsere eigenen Produkte, sondern sind auch Lohnbrennerei. Ausserdem bin ich im Consulting engagiert. Das heisst ich berate andere Produzenten bei der Produktion und Lancierung von neuen Produkten im Spirituosenbereich. Ausserdem verfügen wir seit kurzem mit specialdrinks.ch über eine eigene Vertriebsplattform, über die wir Premium-Spirituosen von anderen Herstellern in Liechtenstein und in der Schweiz exklusiv vertreiben.

Erzählen Sie uns etwas über die Geschichte der Brennerei Telser.

Marcel Telser: Die Brennerei Telser, wie sie früher hiess, wurde 1880 erstmals schriftlich erwähnt. Inzwischen ist mit mir die vierte Generation erfolgreich am Brennen. Früher war die Brennerei noch mehr ein bäuerlicher Nebenerwerb und es wurde nicht nur Schnaps gebrannt, sondern auch gemostet und in kleinem Rahmen Wein produziert. Als mein Grossvater im Jahr 1969 plötzlich starb, hat dann mein Vater die Brennerei übernommen. Der Anfang war nicht einfach, da sich mein Vater als Quereinsteiger vieles von Grund auf zuerst aneignen musste. Aber nach einigen Jahren gehörte er bereits zu den renommiertesten Brennern und gewann unzählige Auzeichnungen in den verschiedensten Kategorien.

Sie sind studierter Jurist und haben auch einige Jahre auf Ihrem Beruf gearbeitet. Was war ausschlaggebend den Juristen an den Nagel zu hängen und voll ins Brennereigeschäft einzusteigen?

Marcel Telser: Es sind genau genommen drei Gründe. Erstens hatte ich mit meinem Job als Jurist mit den vielen Auslandaufenthalten einfach zuwenig Zeit für meine Familie. Dann hat sich in der Finanzbranche in den vergangenen Jahres vieles verändert, sodass ich mich in meinem Job nicht mehr so wohl fühlte wie früher. Und drittens wurde mein Vater auch nicht jünger, die Telser Distillery war ständig am wachsen, sodass die Brennerei nicht mehr im Nebenjob geführt werden konnte.

Ursprünglich produzierten Sie ja ausschliesslich Obstbrände. Im Jahr 2006 kam dann der erste Telsington Whisky auf den Markt. Wie ist die Idee entstanden einen Whisky zu produzieren?

Marcel Telser: Das hat natürlich auch viel mit meiner Liebe zu Schottland zu tun. Seit Anfang der 90er Jahre habe ich dieses faszinierende Land oft besucht. Dabei habe ich mir auch fast alle Distillerien angeschaut und viele interessante Kontakte in der Whiskyszene knüpfen können. Irgendwann reifte dann in mir die Idee, selber einen Whisky zu produzieren. Möglich wurde das aber erst 1999, denn davor war in der Schweiz das Brennen von Getreide verboten. Es hat dann aber doch noch bis zum Jahr 2006 gedauert, weil ich zuerst mein Wissen weiter vertiefen und etwas wirklich Spezielles kreiren wollte. So enstand die klassische Linie des Telsington Whisky, der über Jahre in einem Pinot Noir-Fass heranreift.

Telsington VII Single Malt Whisky
Vor kurzem hat Marcel Telser mit dem Telsington VII bereits seinen 7. Single Malt Whisky auf den Markt gebracht.

Mittlerweile ist der Liechtenstein Whisky VII, ein fünfjähriger Single Malt Cask Whisky, der in Pinot Noir Fässern aus Eiche gereift ist, im Verkauf. Was zeichnet den Telsington VII aus?


Marcel Telser: Der Liechtenstein Whisky VII ist ein Whisky mit einem hohen Grad an Milde und Reinheit, der durch die Lagerung in Pinot Noir Fässern trotzdem fruchtig, mit Noten von roten Beeren und mit feinen Fassnoten, gepaart mit einer dezenten Rauchigkeit daherkommt. Trotz der Milde zeigt er aber auch Fülle und Power. 

Vermarkten Sie Ihren Whisky nur regional oder hat der Telsington Whisky mittlerweile auch international Liebhaber?

Marcel Telser: Der Liechtenstein Whisky hat in der internationalen Whisky-Community mittlerweile einen guten Namen. Wir erhalten auch immer wieder Anfragen – und Besuche – zum Beispiel aus den USA oder aus England aber mit einer Abfüllungsmenge von gut 1’000 Flaschen im Jahr fehlt uns zurzeit noch die Kapazität, um die internationalen Märkte zu bedienen. Unsere Abnehmer kommen zurzeit vor allem aus der Schweiz, Liechtenstein und Deutschland.


Vor wenigen Jahren gab es eigentlich nur schottischen und irischen Whisky. Heute mischen Brenner aus der Schweiz, Deutschland und Österreich erfolgreich im Whiskygeschäft mit. Wie wird sich dieser kontinentaleuropäische Whiskyboom weiterentwickeln?

Marcel Telser: Die kontinentaleuropäischen Whiskyproduzenten und damit meine ich vor allem jene in den deutschsprachigen Ländern, werden sich im kommenden Jahrzehnt zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz zu den traditionellen Produzenten in Schottland, Irland und Amerika entwickeln. In der Schweiz, Liechtenstein, Österreich und Deutschland haben wir heute schon rund ingesamt 300 Whiskyproduzenten. Im Moment kämpfen wir u.a. wegen der nicht klassischen Sensorik der Whiskies noch ein wenig mit Akzeptanzproblemen; vor allem in der eingeschworenen Scotch Whisky Community. Das Hauptproblem ist aber, dass es bei uns noch keine grossen Produzenten, sondern fast ausschliesslich kleine gibt – mit geringen Produktionsmengen – und damit ein Verschneiden verschiedener Fässer zur Qualitätssteigerung für viele Produzenten noch nicht möglich ist. Das ändert sich jedoch nun relativ schnell.

Was sind eigentlich die Unterschiede zwischen einem schottischen und zum Beispiel Ihrem Whisky?

Marcel Telser: Ein Faktor ist sicher das Klima: Mit unseren kalten Wintern und heissen Sommern haben wir ganz andere klimatische Bedingungen als zum Beispiel die Schotten. Unser Klima hat jedoch den Vorteil, dass der Whisky bei uns schneller reift. Wir sind auch flexibler in der Verwendung der Getreidesorten. Bei uns darf alles Getreide und sogar Mais zum Brennen verwendet werden, in Schottland für einen Single Malt Whisky nur Gerste. Und dann spielen sicher auch die verwendeten Fässer und das Fass-Management eine grosse Rolle.

Kommen wir zu einem anderen Trend: dem Gin. Vor einem Jahr haben Sie Ihren Telsington London Dry Gin auf den Markt gebracht. Was war die Motivation neben dem Telsington Whisky noch einen Gin zu produzieren?

Marcel Telser: Ich war in den vergangenen Jahren schon rein berufsmässig viel in England. Dort habe ich den vor einigen Jahren aufkommenden Gin-Boom hautnah miterlebt. Und da ich selbst ein grosser Gin-Liebhaber bin, lag es eigentlich nahe selbst einen zu produzieren.

Einen Gin herzustellen ist ja wieder eine ganz andere Geschichte, als einen Whisky zu produzieren. Wie sind Sie an das Vorhaben herangegangen?

Marcel Telser: Also eigentlich ist ein Gin nichts anderes als ein Kräuterschnaps mit starker Wacholderbetonung. Aber es gibt dann doch noch einige Punkte, die man beachten muss und man sollte ein Konzept haben. Bei mir war der Hauptpunkt, dass es nicht ein aufputschender, sondern eher ein Gin werden sollte, der einem herunterholt. Deshalb habe ich bei den Botanicals auch eher beruhigende Arten eingesetzt, wie zum Beispiel Lavendel und Holunderblüten.

Es ist ja nie so, dass man schon beim ersten Destillationdurchlauf mit dem Ergebnis zufrieden ist. Wieviele Versuche waren notwendig, bis Sie sagen konnten: So habe ich mir meinen Gin vorgestellt?

Marcel Telser: Es waren einige Durchläufe notwendig, bis ich wirklich zufrieden war. Wir haben diese als Kleinversuche auf einer Testanlage gemacht.

Telsington London Dry Gin
Der Telsington London Dry Gin ist seit einem Jahr auf dem Markt.

Wenn Sie Ihren Gin mit anderen Gin’s vergleichen. Was ist das Besondere an Ihrem Gin?


Marcel Telser: Ich denke es ist einerseits die Milde, gepaart mit einer dennoch deutlichen Wacholdernote, das das Besondere an meinem Gin ausmacht. Und natürlich die floralen Noten durch die verwendeten Blüten. Man kann, wenn man geübt ist, jedes einzelne Botanical in meinem Gin erkennen.

Wie war die Resonanz auf Ihren Gin am Anfang und in welchen Ländern ist der Telsington London Dry Gin heute erhältlich?

Marcel Telser: Von der Resonanz waren wir am Anfang selber überrascht. Es war teilweise so, dass wir kaum mit brennen und abfüllen nachkamen. In der Zwischenzeit hat unser Gin auch einige Auszeichnungen gewonnen und sich einen guten Namen bei Gin-Kennern gemacht.

Obstbrände haben Sie immer noch in Ihrem Sortiment aber sehe ich das richtig, dass Sie den Schwerpunkt heute eher beim Whisky und beim Gin setzen?

Marcel Telser: Obstbrände werden wir immer produzieren, schon allein aus Tradition aber wir setzen heute die Schwerpunkte anders. Die Trinkgewohnheiten haben sich in den letzten Jahren verändert und diesen neuen Trends müssen auch wir uns anpassen.

Seit kurzem haben Sie einen weiteren Strategiewechsel vollzogen. Sie setzen nicht mehr nur auf Ihre eigenen Produkte, sondern Sie importieren auch Premiumspirituosen anderer Produzenten und vertreiben dies unter dem Label specialdrinks.ch in der Schweiz und in Liechtenstein. Was gab den Ausschlag dazu?

Marcel Telser: Wir haben zum Beispiel mit Kavalan Whisky und Plantation Rum ausgezeichnete Fremdprodukte im Vertrieb, die unser Portfolio perfekt ergänzen und komplettieren. Und wir haben immer wieder Anfragen von namhaften Produzenten erhalten, die ihre Produkte über uns in der Schweiz und Liechtenstein vertreiben wollten. Unter dem Label „Alpine Spirits“ bringen wir zudem dem Konsumenten Produkte aus dem Alpenraum näher, die zum Teil Weltklasse-Niveau haben aber bei uns kaum bekannt sind.

Mit Kavalan Whisky haben Sie ein aussergewöhliches Produkt an Land gezogen. Wie kam es dazu?

Marcel Telser: Da war ich einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort und wurde gefragt, ob ich Interesse hätte Kavalan in das Portfolio der Telser Distillery aufzunehmen und exklusiv in der Schweiz und Liechtenstein zu vertreiben.

Sie sind nicht jemand, der sich auf seinen Lorbeeren ausruht, sondern immer nach neuem Ausschau hält. Was ist in den kommenden Monaten Interessantes von Ihnen zu erwarten?

Marcel Telser: Im Spirituosenbereich herrscht heute eine sehr grosse Dynamik, was bedeutet, dass man nicht nur innovativ sein, sondern auch immer wieder Standortbestimmungen durchführen muss. Neben dem Bestreben unsere bestehenden Produkte noch besser zu machen, arbeiten wir im Moment an einem Wodka und auch ein Rum ist in den nächsten Monaten ein Thema.

Sie sind den ganzen Tag von Spirituosen umgeben. Was trinkt Marcel Telser, wenn er am Abend an einer Bar sitzt?

Marcel Telser: Mal abgesehen davon, dass man mich abends an einer Bar eher selten antrifft, ist es so, dass ich in einer Bar sehr gerne etwas probiere, das ich nicht kenne, gerade beim Whisky. Und sonst ist natürlich ein Gin Tonic für mich immer eine gute Wahl.

Sprechen wir jetzt nicht von Ihren Erzeugnissen. Welches Produkt hat bei Ihnen in den letzten Monaten den grössten Eindruck hinterlassen und warum?

Marcel Telser: Ich werde mit dieser Antwort vielleicht einige Leute schockieren aber am meisten beeindruckt hat mich in letzter Zeit der Haig’s Club in der blauen Flasche, der über David Beckham promotet wird. Es ist kein High Class Whisky aber sauber gemacht, easy to drink und damit in der Lage auch Jüngere für Whisky zu begeistern. Das ist ein neuer Ansatz in der Branche und lockert die Etikette, die rund um Whisky zelebriert wird, auf.

Herr Telser, wir danken Ihnen herzlich für das interessante Gespräch.
Webseite der Telser Distillery Ltd.: www.telserdistillery.com
Webseite der Vertriebsplattform der Telser Distillery Ltd.: www.specialdrinks.ch
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About The Author

Michel Haefeli

Michel Haefeli ist Chefredaktor und Herausgeber von drinks-and-more.ch. Er war viele Jahre als Journalist für verschiedene Medien tätig und ist zudem ausgebildeter PR Berater.

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