Villiger Celebration

Exklusiv-Interview mit Dieter Meier über seinen Ojo de Agua Gin, Yello und mehr…

Dieter Meier ist Musiker, Künstler, Weltenbummler, Unternehmer, Besitzer von drei Restaurants in Zürich, Frankfurt und Berlin und vieles mehr. Zusammen mit Boris Blank erreichte er mit Yello Kultstatus und Weltruhm. Dieter Meier ist aber auch Farmbesitzer in Argentinien. Dort produziert er auf einer Fläche von ca. 20’000 Hektaren unter dem Label Ojo de Agua Bio-Fleisch und Bio-Wein. Und jetzt ist er auch noch Gin-Produzent. Zusammen mit Adrian Baumgartner von der Paul Ullrich AG in Basel und dem Brenner Oliver Matter hat er einen aussergewöhnlichen Gin mit argentinischen Ingredienzien kreiert. Wir sprachen mit Dieter Meier über Musik, das Älterwerden und natürlich auch über seinen Ojo de Agua Gin.

drinks-and-more.ch: Was macht den Menschen Dieter Meier aus?

Dieter Meier: Also, das ist ein weites Feld. Ich bin ein Mensch, der versucht nichts vorzugeben, was ich nicht bin. Bei allem, was ich mache geht es um die Echtheit und die Wahrhaftigkeit. Der Wein und das Fleisch, das wir in Argentinien produzieren, sind biologisch. In der Musik und in der Kunst versuche ich einfach mich selbst zu sein. Ich habe nie etwas vorgespielt, sondern ich habe einfach getan, was ich tun musste. Erfolg zu haben mit meinen Projekten war weder Kalkül noch Ziel. Das war sozusagen nur ein Nebenprodukt meines Tuns.

Du bist vor wenigen Tagen 70 Jahre alt geworden. Wie gehst Du mit dem Älterwerden um?

Dieter Meier: Joachim Fuchsberger hat eine Autobiografie geschrieben mit dem Titel „Alt werden ist nichts für Feiglinge“. Ich hoffe, dass ich in dieser Beziehung auch kein Feigling bin und mich ziere und fürchte vor dem Alter. Aber da ist die äussere Uhr, die die Zahl 70 anzeigt und das andere ist die innere Uhr. Diese beiden Uhren laufen je länger je mehr synchron und irgendwann ist das Gastspiel zu Ende. Vor allem finde ich, dass alles viel zu schnell gegangen ist. Die letzten zwanzig Jahre gingen vorbei wie ein Schnellzug. Ich bemühe mich in den kommenden Jahren etwas konzentrierter vorzugehen und mich wieder auf meine artistischen Projekte zu besinnen. Die letzten Jahre waren sehr stark geprägt vom Aufbau von Marken wie beim Fleisch, dem Wein und den Restaurants. Ich hoffe, dass ich die richtigen Leute um mich scharen kann, die mich in diesen Bereichen entlasten, damit ich wieder mehr Artist sein kann.

Ruhig auf’s Alter wird Dieter Meier anscheinend nicht.

Vor allem als Unternehmer bin ich sehr aktiv. Ich habe eine unglaubliche Freude, Dinge zu entwickeln und in unbekannte Gebiete vorzustossen. Für mich gibt es nichts schöneres als in Patagonien auf einem Stück Land zu stehen, den Fluss zu betrachten und zu überlegen, ob wir hier vielleicht Haselnüsse oder Sonnenblumen anbauen könnten, um etwas neues zu erschaffen mit dem Wasser und der Sonnenenergie. Das ist für mich ein absolutes Glücksgefühl. Das hat nichts mit Arbeit zu tun. Etwas aufzubauen und zu sehen, wie es wächst ist etwas vom Schönsten, was man haben kann im Leben.

Im letzten Jahr hast Du mit „Out of Chaos“ Dein erstes Soloalbum herausgegeben und jetzt lancierst Du den Gin Ojo de Agua. Wie ist die Idee entstanden einen Gin zu kreieren?

Dieter Meier: Ich habe Adrian Baumgartner von der Paul Ullrich AG in Basel getroffen und ihn gefragt, ob er einen guten Destillierer kennt in der Schweiz mit dem ich etwas aussergewöhnliches im Bereich Spirituosen kreieren könnte. Er hat mir dann Oliver Matter aus Kallnach im Kanton Bern empfohlen. Ich habe ihn angerufen und nach 5 Minuten war klar, dass wir zusammen etwas auf die Beine stellen würden.

Dir schwebte sozusagen eine schweizerisch-argentinische Co-Produktion vor.

Dieter Meier: Ja, der Gin sollte etwas mit meinen argentinischen Produkten zu tun haben. Da ist einmal der Wein und dann sind da die Brombeeren, die auf meiner Farm wild wuchern. Weil ich die Brombeeren auf meiner Biofarm nicht mit irgendwelchen chemischen Mittel bekämpfen darf, muss ich mich irgendwie mit diesem Feind arrangieren. Oliver Matter, ein Crack seines Fachs, war sofort begeistert davon, Weinbrand und Brombeergeist als Basis für einen Gin zu verwenden. Dass es dann so gut rauskommt, hat doch alle ein bisschen überrascht. Der Gin hat durch die Brombeeren eine außergewöhnliche Fruchtigkeit, ist trotzdem mild und verleugnet nicht die Basis des Gin, den Wacholder.

Ojo de Agua Gin von Dieter MeierWarum ausgerechnet einen Gin? Warum nicht einen Wodka oder einen Fruchtbrand?

Dieter Meier:  Wodka ist ja eigentlich nur ein Marketingprodukt. Der beste Wodka der Welt riecht nach nichts. Als ich vor dreissig Jahren in Russland war, da gab es nur Wodka der gestunken hat und solchen der nicht gestunken hat. Verschiedene Wodkasorten lassen sich in einem Tasting kaum voneinander unterscheiden. Und das finde ich nicht spannend. Mit Fruchtbränden habe ich eigentlich gar nichts am Hut. Aber in Argentinien habe ich nun einen ausgezeichneten Grappa-Produzenten gefunden und mit ihm zusammen werde ich einen Grappa machen aus dem Trester meiner Weintrauben.

Wie hast Du die Zusammenarbeit mit Oliver Matter erlebt?

Dieter Meier: Die Zusammenarbeit war hervorragend. Er ist ein absoluter Könner, der ohne irgendeinen Dünkel sein Wissen und seine Kunstfertigkeit anbietet und trotzdem sehr offen bleibt für Anregungen und Ideen von einem wie mir, der ja eigentlich vor diesem Projekt kaum eine Ahnung vom Brennen hatte. Ich könnte mir keinen besseren Partner als Oliver Matter vorstellen. Wir werden sicher wieder etwas zusammen machen, wir wissen nur noch nicht was. Doch da wird uns schon noch etwas einfallen. Kompliment auch an Adrian Baumgartner, dessen Fachkenntnis und Effizienz ich sehr bewundere. Er ist der Regisseur des Ojo de Agua Gin.

Wie lange dauerte die Entwicklungsarbeit, bis ein Endresultat vorlag, mit dem Du zufrieden warst?

Dieter Meier: Am meisten Zeitaufwand beanspruchte das Finden der Ingredienzien in Argentinien. Es sind ja auch Mate Tee und getrocknete Zitronen- und Orangenschalen aus Tucuman drin. Man sagt, das seien die besten Zitrusfrüchte der Welt. Aber ingesamt dauerte die Entwicklung des Ojo de Agua Gin’s nicht mehr als 7-8 Monate.

Gin’s gibt es ja mittlerweile fast wie Sand am Meer. Was ist das Besondere am Ojo de Agua Gin?

Dieter Meier: Wir wollten nicht nochmals einen Gin machen, wie es schon so viele gibt. Es ist unter anderem das speziell argentinische, wie der Mate, der Weinbrand und die Brombeeren von meiner Farm, die den Gin so unvergleichlich machen.

Dein Gin wird ab 13. März in der Schweiz und in Deutschland erhältlich sein. In welchen anderen Ländern ist eine Markteinführung geplant?

Dieter Meier: Das wissen wir im Moment noch gar nicht. Wir haben in einer ersten Tranche um die 5’000 Flaschen produziert und die sind über Vorbestellungen praktisch schon weg. Wir schauen jetzt mal was kommt und dann gehen wir step-by-step weiter.

Wird Ojo de Agua Gin auch in Argentinien auf den Markt kommen?

Dieter Meier: Das ist durchaus möglich. Auch in Argentinien ist Gin sehr angesagt.

Wie trinkst Du Gin am liebsten?

Dieter Meier: Gin habe ich bisher immer mit einem guten Tonic getrunken. Aber dieser Gin hat eine solch milde Fruchtigkeit, dass man ihn durchaus auch pur trinken kann, wie einen Fruchtschnaps. Aber letztlich bin ich dann doch ein Gin Tonic-Trinker.

Du hast in Deinem Leben viele Sachen gemacht: Du bist Künstler, Musiker, Gastronom, Wein- und Fleischproduzent auf Deiner Farm in Argentinien und vieles mehr. Eigentlich warst Du mit fast allem, das Du angefasst hast erfolgreich. Warum ist das so? Am Geld allein kann das nicht liegen.

Dieter Meier: Ich habe natürlich auch Misserfolge gehabt. Eines meiner grössten Unternehmen befand sich im Silicon Valley und war technisch ein grosser Erfolg. Wir haben die ersten voll digitalen Mischpulte für Film- und Musikmischung gebaut. Wir haben damit sechs oder sieben Oscars gewonnen. Die Umsetzung in ein Consumer Produkt hat zwar geklappt aber dort spielen dann Marktkräfte, die für mich eine Nummer zu gross waren. Ich hab die Firma mit Verlust verkauft und bin sozusagen mit einem blauen Auge aus dem Ring gekommen. Aber wenn Du mich nach den Erfolgen fragst, sind es die Offenheit für neues und der Dialog mit Leuten vom Fach, von denen ich etwas lernen kann. Ich muss nie vorgeben der grosse Zampano zu sein, ich kann mich den neuem nähern wie ein „gwundriges Kind.“

Die Musik von Yello war ja auch einzigartig und der Erfolg nicht geplant.

Dieter Meier: Wenn Du einmal Yello gehört hast und hörst ein anderes Stück von uns, dann weisst du nach dem zweiten Takt, das ist Yello. Boris Blank und ich haben nie Musik gemacht um Erfolg zu haben. Wir haben durch die Musik uns Selbst und unsere Fantasie erobert. Und dass wir dann 15 Millionen Tonträger verkauft haben, war zwar sehr schön, aber wenn uns jemand vor 35 Jahren gesagt hätte, dass wir diesen Erfolg haben und sogar Musik für Hollywood-Filme produzieren dürfen, hätte ich diesen für verrückt erklärt. Wir waren damals wie zwei Kinder in einem Spielzimmer in der Roten Fabrik und haben auf einem kleinen Küchentisch unsere Gerätschaften stehen gehabt. Das waren die Anfänge von Yello. Wir haben unser Ding gemacht, ohne danach zu fragen, ob das jemandem gefällt oder ob das je einmal kommerziell Erfolg haben wird.

Ich denke mal, wer Wein, Fleisch und Gin produziert muss ein Genussmensch sein. Was bedeutet für Dich Genuss?

Dieter Meier: Genuss ist eigentlich eine Auseinandersetzung mit dem was man hört, sieht, riecht und schmeckt. Genuss ist auch immer eine Herausforderung. Genuss ist nicht ein hedonistisches konsumieren, sondern es ist ein Dialog mit den Sinnen. Ich werde nächste Woche nach Amsterdam gehen, um das Spätwerk von Rembrandt zu sehen. Das ist für mich eine grosse Herausforderung vor diesen unglaublichen Bildern zu stehen, von ihnen berührt zu werden und diesen in Dialog zu treten. Und das geht mir beim Wein genauso und es ist beim einfachsten Essen nicht anders. Für mich ist eine Kartoffel im Sous-Vide-Verfahren mit frischem Rosmarin und einem Löffel Olivenöl gegart ein absoluter Hochgenuss. Genuss ist Arbeit.

Man munkelt, dass Du ein Buch am schreiben bist.

Dieter Meier: Ja das stimmt. Das Manuskript liegt im Atelier neben meiner Schreibmaschine. Ich müsste mich wieder Mal geografisch in ein Gebiet der völligen Leere und Langeweile begeben. Nur an einem solchen Ort finde ich die Konzentration, die es braucht dieses Buch zu vollenden. Das Buch heisst „Die Maske des Erzählers“ und ist keine konventionelle Erzählung, sondern der Versuch mit Worten das mit Sprache ausdrückbare zu untersuchen. Es geht um einen Erzähler, der wie ein Maler oder Bildhauer seine Form zu finden sucht und sich in einem sprachlichen Findungsprozess befindet, der nie abgeschlossen werden kann.

Kehren wir zurück zu den Spirituosen. Mit Deinem Gin steigst Du jetzt auch ins Spirituosengeschäft ein. Würde mich nicht wundern, wenn Du nicht schon eine weitere Idee mit Dir rumträgst. Einen Rum vielleicht?

Dieter Meier: Wie ich schon erwähnt habe, arbeite ich zusammen mit einem Grappa-Produzenten an einem Bio-Malbec-Grappa. Aber das mit dem Rum ist nicht schlecht geraten. Wir haben vor Jahren Rum aus der Domenikanischen Republik importiert und diesen in gebrauchte Weinfässer eingelagert. Irgendwann in nächster Zeit wird der Moment kommen und wir werden ihn in Flaschen abfüllen.

Dieter Meier, wir danken Dir herzlich für dieses Interessante Gespräch.

Lancierung Dry Gin Ojo de Agua – Dieter Meier

Degustation Gin & Tonic in Basel

Datum: Fr, 13. März 2015

Ort: Paul Ullrich AG, Laufenstrasse 16, Basel

Zeit: 18 bis 22 Uhr

Eintritt: CHF 25.– (inkl. eines Gin & Tonic)

Links: www.ullrich.ch / www.ojodeagua.ch / www.erlebnisbrennerei.ch / Link zu unserem Artikel über den Ojo de Agua Gin

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About The Author

Michel Haefeli

Michel Haefeli ist Chefredaktor und Herausgeber von drinks-and-more.ch. Er war viele Jahre als Journalist für verschiedene Medien tätig und ist zudem ausgebildeter PR Berater.

1 Comment

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